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Beiträge zur Geologie und Petrographie der columbianischen Anden.

Hettner, A.; Linck, Gottlob

Kurzfassung

Die Anden, welche die ganze Westküste von Südamerika begleiten, nehmen auch einen grossen Theil des nordwestlichsten der südamerikanischen Staatengebilde ein, welches bis zum Jahre 1860 Neu-Granada hiess, seitdem aber den Namen Columbien führt. Während man in Ecuador zwei Cordilleren mit dazwischen eingesenkten Längsmulden unterscheidet, die durch vulkanische Massen zum Theil ausgefüllt worden sind, treten in Columbien vier durch Längsthäler getrennte Cordilleren auf. Zu den beiden ecuadorianischen Cordilleren, welche anfangs als West- und Central- Cordillere fortsetzen und etwa unter 5° nördl. Br. zu dem Berglande von Antióquia verschmelzen, treten nämlich die Küsten- und die Ost-Cordillere hinzu. Als Küsten-Cordillere bezeichnet man die verhältnissmässig unbedeutende, wegen ihres dichten Urwaldes noch kaum erforschte Gebirgskette, die nördlich der Bai von Buenaventura die pacifische Küste begleitet und durch die Längsthäler des R. San Juan und des R. Atrato von der West-Cordillere geschieden wird; die Ost-Cordillere ist das Gebirge östlich des Magdalenenstromes, das sich nach dem unglücklichen Ausdrucke der Lehrbücher in dem Gebirgsknoten von Pasto von der Central-Cordillere loslöst, zwischen dem 4 und 7° nördl. Br. eine Breite von beinahe 200 km erreicht und dabei in der Sierra Nevada von Cocui über die Schneegrenze (etwa bis zu 5200') ansteigt. Ungefähr unter 7° nördl. Br. tritt sie in mehrere Ketten auseinander, von denen die westlichste in nördlicher Richtung weiter zieht, an die isolirte Sierra Nevada von Santa Marta herantritt und mit derselben verschwindet, während die östlichen nach Nordosten umbiegen und sich weit nach Venezuela hinein erstrecken. Von April 1883 bis August 1884 hatte ich Gelegenheit, einen grossen Theil der Ost-Cordillere und ein kleines Stück der Central-Cordillere zu bereisen.