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Ueber geriefte Geschiebe von Muschelkalkstein der Göttinger Gegend.

Lang, Otto

Kurzfassung

Geriefte Geschiebe werden bekanntlich vorzugsweise in Beziehung zu Gletschern gebracht und bei der Bedeutung, welche die Glacialtheorie zur Zeit erlangt hat, nur von dem Gesichtspunkte aus betrachtet, ob sie Gletscherproducte sind oder nicht; das spricht sich z.B. in der Bezeichnung "stries pseudoglaciaires" aus, mit welcher Ebray an jurassischen Geschieben die Streifen letzterer Art belegt hat. Meiner Meinung nach aber verdienen geriefte und geritzte Geschiebe von der nachbeschriebenen Ausbildung schon an sich, in rein morphologischer Beziehung, Interesse, welches sich allerdings steigert im Rückblick auf die Glacialtheorie; letztere Rücksicht kann mich jedoch nicht bewegen, für jene einen ähnlichen Namen wie den von Ebray gebrauchten zu wünschen. Gletscherproducte dürften allerdings die Riefen, Streifen und Ritze dieser Geschiebe keinesfalls sein; dagegen sprechen schon die geographische Lage und die örtlichen Verhältnisse ihres Fundpunktes. Dieser liegt nämlich ausserhalb des Gebietes, welches von Glacialtheoretikern für die skandinavisch - baltisch - norddeutsche Inlandeisdecke beansprucht wird, und die orographischen Verhältnisse desselben sowie seiner Umgebung widersprechen auch der Annahme einer in grösserer oder geringerer Ausdehnung stattgehabten örtlichen Vergletscherung; selbst für einen "Ferner" fehlt das entsprechende Firnbecken. Der Fundpunkt ist der "Weinberg" bei Gladebeck, Kr. Göttingen, ein Randberg des das Leinethalgebiet westlich begrenzenden "Horstes"; er ist von NNW nach SSO gestreckt und erhebt; sich steil über die 100 m tiefere östliche Thalsenke; im Südwesten und Westen wird er von der Hochebene durch ein ziemlich tiefes, einer Verwerfung folgendes Thälchen, im Nordwesten durch eine flache, in Lettenkohlen - Schichten ausgetiefte Erosions mulde getrennt.