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Neue Untersuchungen an tertiären Fisch-Otolithen.

Koken, Ernst

Kurzfassung

Indem ich mit der vorliegenden Abhandlung eine Reihe kleiner Beiträge zur Kenntniss tertiärer Fischfaunen eröffne, erscheint es mir am Platze, nochmals auf die Bedeutung der Otolithen für die Palaeontologie zurückzukommen. Die Fische nach ihren Otolithen unterscheiden zu können, wird dort zur Nothwendigkeit, wo ausser diesen andere Reste nicht oder nicht genügend zur Hand sind. In Ablagerungen tertiären Alters, deren Fischfauna sich unmittelbar an die Gegenwart anschliesst, gewährt diese Methode eine grosse Sicherheit und ermöglicht, trotzdem nur ein gerinfügiger Körpertheil zur Beurtheilung des Ganzen vorliegt, die Beantwortung mancher wissenschaftlichen Frage. Es ist bekannt, in welch' inniger Beziehung die Otolithen zu den Ausstrahlungen des Gehörnerven stehen, und dass zumal der grosse Sacculus-Otolith durch die in seine Membrana tectoria hineingreifenden Haarzellen der Macula acustica bei jeder Erschütterung einen Reiz auf die letzten Endigungen der Nervenfasern ausüben muss. Ob diese Reize dem Fische als Geräusche, Töne, als letzte Reactionen andringender Schallwellen, oder als solche hydrodynamischer Bewegungen zum Bewusstsein kommen, oder ob sie ihm ermöglichen, Veränderungen der Gleichgewichtslage zu erfassen und auszugleichen, wird schwer zu entscheiden sein und ist hier auch nicht zu erörtern. Der Kernpunkt der Sache ist, dass die an den Otolithen gepresste Epithel-Anhäufung auf der Sacculus-Wand, in welcher die Nervenfasern sich verlieren, eine bestimmt umschriebene Form hat, welche in ebenso bestimmten Umrissen auf die Innenseite des Otolithen als Sulcus acusticus sich, überträgt. Im Innern des Körpers der Aussenwelt gewissermaassen entzogene Organe werden die einmal gegebene Form stets zäher bewahren als solche, welche dem Wechsel des äusseren Lebens ausgesetzt und einem fortwährenden Anpassungs- und Umgestaltungsprocesse unterworfen sind, wie Zähne, Hautbedeckung, Locomotionsorgane.