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Vorläufige Mittheilungen über die neuen Knochenfunde in den Höhlen bei Rübeland im Harz.

Kloos, J. H.

Kurzfassung

Es darf wohl als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass im östlichen Harz, nördlich von der Sattelaxe der Tanner Grauwacke, sich ein Gebiet erstreckt, in welchem sämmtliche Glieder des Devons vertreten sind. Dasselbe dehnt, sich zwischen Michaelstein und Blankenburg einerseits. Schierke und Braunlage andererseits in einer Richtung von Nordost nach Südwest aus; es ist in seiner Lagerung stark gestört und äusserst complicirt gebaut. Ein wichtiges Glied dieser devonischen Partie bildet der oberdevonische oder Iberger Kalk, ein alter, paläozoischer Korallenstock, der uns in der Form eines dichten, krystallinischen, marmorartigen Kalksteins zwischen Elbingerode und Neuwerk entgegentritt. In diesem Kalk hat die Bode bei Rübeland eingeschnitten, und hier finden sich die seit alten Zeiten bekannten, alljährlich von vielen Touristen besuchten Höhlen, von denen die Baumannshöhle seit dem 16. Jahrhundert, die Bielshöhle etwa seit 1672 bekannt ist. Wer das Rübelander Thal besucht hat, wird die eigenthümliche Absonderung des Kalksteins bemerkt haben, denn sehr auffällig sind die coulissenartigen Vorsprünge, welche sich in paralleler Richtung vom Plateau abzweigen und von beiden Seiten in's Thal erstrecken. Es geben sich zwei Absonderungsrichtungen zu erkennen, die von Ost nach West streichen, aber entgegengesetzt einfallen. Von einer eigentlichen Schichtung ist nicht die Rede; die nur annähernd parallel verlaufenden Zerklüftungen schneiden sich unter 60 bis 90° und setzen schräg von oben nach unten durch das Gebirge. Einige dieser Zerklüftungen sind vom Wasser erweitert und bilden die Höhlen.