Original paper

Über die genetischen Beziehungen zwischen Pechstein und Porphyr des Meissener Gebietes.

Sauer, Adolf

Kurzfassung

Die im Auftrage der königl. geologischen Landesuntersuchuug des Königreichs Sachsen vom Vortragenden ausgeführte geologische Kartirung der Section Meissen war für Denselben Veranlassung, den Beziehungen zwischen Meissener Pechstein und den mit diesem auftretenden Porphyren specieller nachzugehen. Sind auch die Untersuchungen über dieses interessante und schwierige Kapitel der petrogenetischen Geologie noch bei Weitem nicht als abgeschlossen zu betrachten, so gestatten die bisher gewonnenen Resultate doch jetzt schon zu erkennen, dass die genetischen Beziehungen zwischen Porphyr und Pechstein in diesem Gebiete ganz anderer Art sein dürften, als man bisher annahm. Mit Recht werden die Pechsteine des Meissener Gebietes als Typus der Pechsteine hingestellt. In möglichst frischem Zustande, meist obsidianartig schwarz gefärbt, dann, zum Theil wenigstens in Folge eintretender Veränderung, braune, rothe, grüne, auch gelbe Färbung annehmend, bieten sie eine opake, punktwie strichförmige Mikrolithen führende Glasmasse dar mit durchweg spärlichen, porphyrischen Einsprengungen von Quarz, sanidinartigem Orthoklas, etwas Plagioklas, Biotit und Augit, deren Betheiligung in verschiedenen Theilen des Gebietes einigen Schwankungen unterworfen ist. Die Vertheilung der Mikrolithen ist bald eine gleichmässige ohne ersichtliche bestimmte Anordnung, bald eine regelmässige oder verworren fluidale, endlich zuweilen eine so schnell unterbrochen wechselnde, dass das Pechsteinglas in dieser Ausbildung an eine Breccie erinnert. Perlithische Sprünge findet man überall, auch in dem allerfrischesten Pechsteine, besonders häufig und regelmässig in der Nähe porphyrischer Einsprengunge. Dieselben sind daher z. Th. sicherlich als echte Contractionsrisse zu deuten. Bei beginnender Veränderung des Gesteins scheinen sie sich zu mehren und dürften daher zum anderen Theile mit Verwitterungserscheinungen im weiteren Sinne zusammenhängen. Mit dem Auftreten reichlicher Perlitsprünge ist nämlich dasjenige einer felsitartigen Substanz eng verknüpft. Wegen ihrer Aehnlichkeit mit der felsitischen Grundmasse der Quarzporphyre hat dieselbe von jeher das Interesse der Petrographen in hohem Grade gefesselt und hinsichtlich ihrer genetischen Beziehungen zu dem Pechsteine zu verschiedenen Deutungen Veranlassung gegeben.