Original paper

Über die mikroskopische Untersuchung von Gesteinen, welche vorher einem starken Druck ausgesetzt waren.

Kloos, J. H.

Kurzfassung

Vor etwa zwei Jahren wurde von der Abtheilung für Strassen- und Wasserbau im Ministerium des Innern des Königreichs Württemberg eine Prüfung sämmtlicher Wegebaumaterialien angeordnet. Auf Anregung des Herrn Oberbaurathes Leibbrand in Stuttgart sollte das gebräuchliche Beschotterungs - Material auch mikroskopisch untersucht werden, um womöglich Thatsachen ausfindig zu machen, welche es ermöglichten, an die Stelle eines Probirens auf Versuchsstrecken die mikroskopische Diagnose zu stellen. Ich übernahm die Untersuchung der Dünnschliffe, und so habe ich eine Anzahl der verschiedensten Gesteine, welche in Württemberg für den Strassenbau in Anwendung kommen, mikroskopisch untersuchen können. Es wurde ja wohl ursprünglich lediglich von dem Gesichtspunkte ausgegangen, dass da, wo mit unbewaffnetem Auge in dichten oder feinkörnigen Gesteinen nicht mehr entschieden werden kann, ob die Bestandteile sämmtlich in ursprünglichem Zustande vorhanden oder bereits in Zersetzung begriffen seien, das Mikroskop an die Stelle treten sollte. Ich erweiterte von vorn herein diesen Gesichtspunkt, indem es mir schien, dass man hierbei nicht stehen bleiben sollte. Es kommen ja noch ganz andere Verhältnisse bei der Beurtheilung der Widerstandsfähigkeit eines Gesteins gegen Druck oder Stoss in Betracht. Namentlich schien es mir wichtig, das Verhältniss von nicht spaltbaren zu den gut spaltbaren Bestandteilen, sowie die Grössenverhältnisse der einzelnen Minerale zu berücksichtigen. Ich machte aber zu gleicher Zeit darauf aufmerksam, dass eine etwa gestellte Diagnose bezüglich der Dauerhaftigkeit eines Gesteins zunächst auch auf Versuchsstrecken zu erproben sei, um bestimmte Anhaltspunkte zu gewinnen. Es lässt sich ja für gewisse Structur- und Aggregationsformen nicht ohne Weiteres die Widerstandsfähigkeit bestimmen, wie z. B. für die verschiedenen Modifikationen einer Porphyrgrundmasse. Die mikroskopische Prüfung hat denn auch, und wie ich glaube wohl zum ersten Male, in Verbindung mit sämmtlichen anderen Versuchen stattgefunden und werden die erhaltenen Resultate gemeinschaftlich in den statistischen Berichten der Abtheilung für Strassen- und Wasserbau in Württemberg seiner Zeit zur Veröffentlichung gelangen. Was ich hier noch speciell hervorheben möchte, ist, dass auf meinen Wunsch von einigen Gesteinen auch Dünnschliffe von solchen Proben angefertigt wurden, welche in der technischen Versuchsanstalt einem starken Druck ausgesetzt gewesen.