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Ueber die bis jetzt geologisch ältesten Dikotyledonen.

Feistmantel, O.

Kurzfassung

Bis zur jüngsten Zeit wurde fast allgemein, wenigstens in geologischen und phytopaläontologischen Handbüchern, der Beginn der Dikotyledonen in die Cenomanstufe der Kreideformation, besonders in Europa, gesetzt. Das Factum, dass Prof. Heer schon vor Jahren (Flora fossilis arctica, Vol. VI) aus den Kome-Schichten auf Grönland, die dem Urgonien gleichgestellt werden, eine Populus primaeva (Blätter und Frucht) beschrieben und abgebildet hat, fand nicht hinreichende Berücksichtigung, vielleicht deswegen, weil, wie Saporta noch neulich (Origine paléontologique des arbres 1888, p. 183) es andeutete, dieser Fund, als allzu vereinzelt, vorerst wohl noch eine weitere Bestätigung erfahren sollte. (Es wird vielleicht daran gedacht, dass eine Beimischung eines Exemplares aus den höheren Atane-Schichten, wo Populus häufig ist, nicht ganz unmöglich gewesen wäre.) Doch mehren sich die Beobachtungen, die zeigen, dass die Dikotyledonen in der That viel älter sind als cenoman. So erwähnt J. W. Dawson in seinem neuesten Werke (Geological History of Plants, 1888, p. 192 u. 193) zwei fossile Dikotyledonen, Sterculia und Laurus (oder Salix) aus unteren Kreideschichten (Kootanie Series = Kome - Schichten) in den Rocky Mountains (Canada); dieselben sind l. c., p. 194 abgebildet. - Einen weiteren Beitrag zur Kenntniss älterer Dikotyledonen hat voriges Jahr Saporta geliefert; in seinem schon erwähnten Werke (p. 37), wo er im Haupttexte noch mit aller Entschiedenheit behauptet, dass vor der Cenomanstufe bis jetzt keine sicheren Dikotyledonen bekannt gemacht wurden, fügt er unter der Linie eine Notiz bei, worin er bekannt giebt, dass während des Druckes des genannten Werkes in Portugal, in der Wealdenstufe, Abdrücke von Dikotyledonen, in Gemeinschaft mit Farren und Cycadeen, "characteristiques des étages infracrétacés", beobachtet wurden.