Original paper

Ueber Coccosteus megalopteryx Trd., Coccosteus obtusus und Cheliophorus Verneuili AG.

Trautschold, H.

Kurzfassung

Jedem, der die in allen Lehrbüchern der Geologie und Paläontologie befindlichen Abbildungen von Coccosteus mit Aufmerksamkeit betrachtet, muss es in die Augen fallen, dass dieser Fisch ausser dem Schwanz aller Bewegungsorgane entbehrt. Agassiz hatte zwar die drei dünnen aneinandergereihten Platten an den Seiten für kleine Flossen gehalten, aber Pander bestritt diese Ansicht und meinte, dass sie Verbindungsglieder zwischen den Rücken- und Bauchplatten darstellten. In der That erscheint es sehr merkwürdig, dass ein Thier, dessen Vorderleib mit dicken, schweren Panzerplatten bedeckt ist, nicht mit anderen Ruderorganen als dem Schwanze soll versehen gewesen sein. Aber in der That entdeckt man nichts derartiges in den schottischen Geoden, welche den ganzen Körper des Fisches umschliessen, und doch wäre es nur natürlich, wenn mit dem Rumpf auch die Flossen mit in die Umhüllung gezogen worden wären. Sind doch die schwäbischen Ichthyosauren und die belgischen Iguanodonten als Geoden so vollkommen vom Gestein eingehüllt, dass nicht ein Glied und kaum die Spitze des Schwanzes ausserhalb der einschliessenden Masse geblieben ist. Danach wäre also anzunehmen, dass Coccosteus wirklich keine Flossen gehabt hätte. Nichtsdestoweniger hat Hugh Miller in seinem "The old red sandstone" auf t. 3 einem restaurirten Coccosteus cuspidatus schaufelförmige Flossen angehängt, gleichsam in Vorahnung, dass so etwas notwendiger Weise existiren müsse. Indessen verbessert er sich in einer Anmerkung pag. 78 dahin, dass diese vermeintlichen Arme oder Ruder nur Platten von eigenartiger Form seien. Es mag also anzunehmen sein, dass die bis jetzt beschriebenen Coccosteus - Arten, C. decipiens, C. oblongus etc. nicht mit Ruderorganen ausgestattet waren. Aber dass zu jener Zeit Fische in den devonischen Gewässern gelebt haben, die mit mächtigen Werkzeugen der Fortbewegung versehen waren, ist nichtsdestoweniger gewiss.