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Ueber ein Vorkommen der Opalinus- (und Murchisonae?-) Zone im westlichen Süd-Tirol.

Finkelstein, Heinrich

Kurzfassung

Oestlich und westlich jener merkwürdigen Tiefenlinie, welche in bedeutender Senkung zwischen hohen Gebirgen in der Fortsetzung des Garda-See's über Balino und Molveno zum Thal des Noce zieht, herrschen in Rhät und Lias verschiedene facielle Ausbildungen. Lepsius und besonders Bittner haben diese Thatsache hervorgehoben. Oestlich jener Linie sind die rhätischen Ablagerungen noch in der Facies des Hauptdolomits vertreten, wie Bittner sehr wahrscheinlich gemacht hat, dann folgen die bekannten "Grauen Kalke". Westlich fossilreiche Kössener Mergel und Medolo. Und auch in das Hangende setzen sich diese Abweichungen fort. Helle Oolithe, gelbe Kalke folgen im Osten, dunkle, an Homstein reiche Gesteine oder dunkle Crinoiden-Oolithe im Westen. Gegenüber der reichen Ausbildung der die "Grauen Kalke" überlagernden Glieder in den östlichen Gebirgen, welche die Bilobata-Schichten, die Opalinus-Schichten vom Cap S. Vigilio und vielenorts Vertretung der Klaus-Schichten aufweisen, hat man im Gebiet der "lombardischen", westlichen Facies entsprechende Horizonte bis jetzt noch nicht oder nicht mit völliger Sicherheit nachweisen können. Bittner zeigte, dass bei Guzzago in der Nähe von Brescia zwischen oberliasischen und oberjurassischen Bänken hornsteinreiche, eng mit dem Liegenden verknüpfte Schichten auftreten, welche Posidonomyen führen und den Gedanken "an eine Beziehung zu den nur durch die Breite des Garda-Sees getrennten Vorkommnissen der Klaus-Schichten" nahe legen. Zu parallelisiren hiermit wären dann versteinerungslose, dunkle Bänderkalke und Mergel in dem Val dei Concei des judicarischen Hochgebirges, welche gleichfalls zwischen liasische und oberjurassische Gebilde eingeschaltet sind.