Original paper

Ueber Blattabdrücke in senonen Thonschichten bei Bunzlau in Niederschlesien.

Roemer, Ferd.

Kurzfassung

Die unter dem Namen Bunzlauer Geschirr seit alter Zeit bekannten und weit über die Grenzen von Schlesien hinaus verbreiteten Töpferwaaren von Bunzlau werden aus weissen Thon verfertigt, welcher in mehreren in der Nähe der Stadt gelegenen Thongruben gegraben wird. Einige dieser Thongruben sind 1/4 Meile südöstlich von Bunzlau, dicht an der nach Losswitz führenden Landstrasse und zwar südlich von der letzteren unfern einer Windmühle gelegen. Diese sind der Fundort der hier zu beschreibenden Blattabdrücke. In den bis 25 Fuss tiefen Aufschlüssen ist ein Wechsel von thonigen und sandigen Schichten, welche unter einem Neigungswinkel von 25° gegen Südwest einfallen, aufgeschlossen. Die thonigen Schichten sind von bläulicher, röthlicher oder grauer Färbung. Die sandigen Schichten sind weiss und von so geringem Zusammenhalt, dass sie zwischen den Fingern zerbröckeln und kaum als Sandstein bezeichnet werden können. Die Schicht, welche die Blattabdrücke enthält, ist eine 70 cm dicke Thonlage, welche in frischem, feuchtem Zustande licht blau - grau, im trockenen Zustande weiss ist. Die Blattabdrücke sind in derselben ziemlich häufig, aber bei der bröckeligen Beschaffenheit des Thons im frischen Zustande nur schwer aus demselben in einiger Vollständigkeit zu erhalten. Von der pflanzlichen Substanz der Blatter ist kaum etwas in dem Gestein zurückgeblieben, jedoch heben sich die Blattflächen durch dunklere Färbung von dem einschliessenden Gestein ab. Die Nervation der Blätter ist im Abdruck überall ziemlich deutlich erhalten. Die erste Nachricht von dem Vorkommen dieser Blattabdrücke erhielt der Verfasser durch Herrn Arthur Heidenhain, welcher auch einzelne Exemplare mittheilte.