Original paper

Die Lagerungsverhältnisse und Hebungserscheinungen in den Kreidefelsen auf Rügen.

Berendt, G.

Kurzfassung

Steilküsten mit ihren von der See durch Abbruch stets frisch erhaltenen Durchschnitten der Erdschichten, wie sie Menschenhand auch durch die grossartigsten Tagebaue herzustellen nicht im Stande ist, sind von jeher zur Beurtheilung der Lagerungs-Verhältnisse im Binnenlande am geeignetsten gewesen. Zu diesen geognostisch wichtigen deutschen Küstenpunkten gehört denn auch das steile Kreideufer der Halbinsel Jasmund auf Rügen und unter seinen mehrfach besprochenen Durchschnitten in erster Reihe das namentlich durch Johnstrup's eingehende Schilderung bekannte Küstenprofil am dortigen Kieler Bach, halbwegs zwischen Sassnitz und Stubbenkammer. Ihm galt in den jüngsten Tagen ein meinerseits gemeinschaftlich mit Herrn Scholz-Greifswald ausgeführter Besuch jener malerischen Ostseeküste, von der Johnstrup a.a.O. sagt: "Hier sehen wir genau alle Hebungsphänomene denselben Charakter wie auf Möen annehmen, wir haben die vorerwähnte Wechsellagerung von Kreide und Glacialbildungen, die gebogenen, geknickten und gefalteten Flintlagen und die gebogenen Kreideschollen. Aber selbst bezüglich dieser Partie, wo die Verhältnisse weit überschaulicher sind, glaube ich doch nicht, dass es möglich sein würde, die verwirrten Lagerungsverhältnisse dieser Kreidefelsen zu enträthseln, ohne erst ein detaillirtes Studium von Möen's Klint unternommen zu haben, welcher sozusagen den Schlüssel zum rechten Verständniss des geologischen Baues jener bietet." Hoffentlich ist es mir jetzt durch diesen Besuch gelungen, den Schlüssel zu finden, der sich wahrscheinlich auch für Möen's Klint gleicherweise passend erweist.