Original paper

Über die Gattung Dictyodora Weiss.

Zimmermann, Ernst

Kurzfassung

Eine von denjenigen paläozoischen Versteinerungen, die bisher nur oder fast nur in Thüringen gefunden sind, und zwar eine der dort häufigsten, ist Dictyodora Liebeana Weiss. Sie wurde zuerst von R. Richter aufgefunden und als Conularia reticulata beschrieben, dann gab H. B. Geinitz besseren Exemplaren den Namen Dictyophytum Liebeanum, endlich sah sich - und mit Recht - E. Weiss veranlasst, das neue Genus Dictyodora daraus zu machen. Seiner ausführlichen, mit schönen Abbildungen versehenen Beschreibung im Jahrbuch d. kgl. preuss. geolog. Landesanstalt ist Folgendes ergänzend hinzuzufügen. Der flächenförmige, mehrfach in meist engen Windungen hin und her gebogene, vielleicht auch manchmal spiralig gewundene Körper der gesellig wachsenden Individuen zeigt jetzt eine Dicke von etwa 1 mm, die mit Zunahme der Höhe (die grössten Exemplare werden über 20 cm hoch, während die Breitenausdehnung niemals voll oder auch nur annähernd zu bestimmen ist) nicht zu wachsen scheint. Trotz dieser geringen Dicke und trotz der bedeutenden Ausdehnung in der Fläche war der Körper doch so consistent, dass er sich stets aufrecht in dem jetzt zu hartem Schiefer gewordenen Schlamm erhalten hat. Die durch Gitterzeichnung charakterisirte Flächenansicht dieses sonderbaren Körpers ist nur dann und soweit zu erhalten, als sie in die Schieferungsrichtung des Gesteins fällt und auf dieser durch Spaltung blossgelegt werden kann, während auf den sehr schwer zu erlangenden Flächen quer zur Schieferung, aber zugleich parallel der Längsaxe des Dictyodora-Körpers nur sehr undeutliche, annähernd parallele Durchschnittslinien, und endlich auf den (ja meist quer zur Schieferung stehenden) Schichtflächen die an Nemertiten oder Myrianiten etc. aufs Lebhafteste erinnernden und auf den ersten Blick auch als Wurmspuren gedeuteten Querschnitte sichtbar sind.