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Über neueste in Berlin und nächster Umgegend ausgeführte Tiefbohrungen.

Berendt, G.

Kurzfassung

Wie im Allgemeinen, so hat sich auch in Berlin der Begriff "Tiefbohrung" seit dem letzten Jahrzehnt sehr schell erweitert oder vielmehr verändert. Noch bis zum Jahre 1879 waren drei Bohrungen, diejenige auf dem Grundstück der Maschinenbau-Anstalt von Kraft u. Knust in der Ackerstrasse, eine solche bei der Villa des Geh. Rath Von Hansemann in der Thiergartenstrasse und, als die älteste, die sogen. Otto'sche Bohrung im königl. Friedrich-Wilhelm-Stift (Pepinière) in der Friedrichstrasse, mit noch nicht 100 m die tiefsten. Sie hatten sämmtlich nur die unter dem Berliner Diluvium lagernde märkische Braunkohlenbildung erreicht. Im genannten Jahre 1879 erreichte die sogen. Wigankow'sche Bohrung in der Chausseestrasse und gleich darauf auch diejenige im Admiralsgarten-Bade in der Friedrichstrasse zum ersten Male den die märkische Braunkohlenbildung unterteufenden mitteloligocänen Septarienthon (a.a.O.). Von nun an endeten alle späteren Tiefbohrungen, mit Rücksicht auf die in dem gleichzeitigen Spandauer Tiefbohrloch auf 160 m festgestellte Mächtigkeit der genannten Thonbildung, bei Erreichung der letzteren oder bald darauf, also mit 130 bis 150 m Tiefe (a.a.O.). Erst im Jahre 1887 wagte es die Leitung des genannten Admiralsgarten-Bades auf den Rath des Berichterstatters hin den Versuch zu machen, diese Thonbildung zu durchsinken, um springende süsse oder salzige Wasser zu erlangen. Dieser, nicht unbedeutende Kosten verursachende Versuch wurde mit Erfolg gekrönt, der Septarienthon bei 230 m Tiefe durchsunken und in dem unterlagernden glaukonitischen Sande bei 234 m zu Tage ausfliessende 3procentige Soole erschroten. Von nun an folgten schnell behufs weiterer Aufsuchung von Soole, bezw. um sich durch Deckung des Feldes gegen Ausnutzung der Soole seitens Anderer zu schützen, die folgenden Tiefbohrlöcher: