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Über die Hermannshöhle im Harzgebirge

Kloss, J. H.

Kurzfassung

Anknüpfend an seine Mittheilungen auf der vorjährigen allgemeinen Versammlung in. Halle theilte Redner des Weiteren mit, dass kurz nach dieser Versammlung (am 2. September 1888) die Fortsetzung der von ihm im Jahre 1887 aufgefundenen, 120 m langen Bärenhöhle in östlicher Richtung entdeckt wurde, daher dieselbe jetzt in einer Ausdehnung von etwa 300 m bekannt ist. Die Gesammtlänge der fahrbaren Räume in der Hermannshöhle beträgt nunmehr über 400 m. Es gehen von der Haupthöhle jedoch noch so viele in tiefere und höhere Niveaus führende Verzweigungen ab, dass, nachdem die nöthigen Wege hergestellt, wenigstens 600 m Gesammtlänge zugänglich sein werden. Bei der geologischen Bearbeitung hat der Vortragende das Hauptgewicht auf die Beziehungen der unterirdischen Räume zu dem Bau und der Gestaltung des Harzgehirges gelegt. Er hat zu zeigen versucht, dass sie aufzufassen seien als erweiterte Spalten, welche in dem Rübelander Kalkmassiv unter Einfluss der sich im östlichen Harz überall zeigenden zweierlei Druckrichtungen bei der Faltung des Gebirges entstanden. Deshalb erstrecken sie sich von Ost nach West in einem zu diesen Druckrichtungen und zu dem Streichen der Schichten diagonalen Verlauf. Bei der Höhlenbildung ist in Betracht zu ziehen der mechanische Stoss des Wassers und seine chemische Wirkung. Ein aufmerksames Studium der Höhlenwände und Decke in den verschiedenen Niveaus ergiebt, dass eine Anzahl unterirdischer Flusskanäle in der Einfallsrichtung der Spalten über einander liegen. Dieselben vereinten sich durch späteren Einbruch, herbeigeführt durch die mechanische Wirkung von schräg in die Tiefe stürzenden Giessbächen, dann aber auch, und dies sehr wesentlich, durch die auflösende Kraft der Sickerwasser.