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Pteropodenreste aus der Oberen Kreide Nord-Syriens und aus dem hessischen Oligocän.

Blanckenhorn, Max

Kurzfassung

In einem in Nord-Syrien ziemlich verbreiteten weichen, theilweise kreideartigen Mergel von gelblich weisser Farbe fand ich auf einer im Jahre 1888 unternommenen Reise an vier weit von einander liegenden Punkten Gebilde, die nur als Pteropodenreste gedeutet werden können. Diese betreffenden Ablagerungen möchte ich sämmtlich für ungefähr gleichzeitig entstanden halten. Sie gehören sowohl nach den Lagerungsverhältnissen als nach den sonstigen paläontologischen Funden entschieden der Oberen Kreide an, vermuthlich dem Senon. Der erste dieser Punkte liegt etwa eine Tagereise westlich von Latakieh, der alten Hafenstadt Laodicea, entfernt, mitten im Nusairieh-Gebirge, am Wege nach Djisr esch-Schughr. Schon in der Nähe von Latakieh findet man im NO der Stadt unter den fossilreichen marinen Unterpliocän - Ablagerungen des Nahr el Kebir-Beckens gelbe und blendend weisse Mergel der Kreideformation. Sie wechseln ab mit gelblich grauen und rothen Mergeln, Mergelkalk und Gyps und werden durchbrochen von Serpentinen und Gabbros. Diese Eruptivgesteine sind im nördlichsten Theile Syriens von dem erwähnten Nahr el Kebir an ausserordentlich verbreitet; nirgends aber treten sie mit anderen Schichten als solchen der Kreide und des Eocän, letzteres dann unterlagernd, in directe Berührung. Zwischen Safkun und Chan Achmed Hamade (? = Kruschia) enthalten nun an dem Steilabstiege zum Nahr el Kebir-Thale, wo der schlüpfrige Gebirgspfad in Serpentinen sich hinabwindet, gelblich graue Mergel, welche in dünnen Platten abgesondert sind, auf ihren Schichtflächen in zahlloser Menge Steinkerne von Vaginellen, die beim ersten Blick wie plattgedrückte, glatte Seeigel-Stacheln aussehen.