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Über ein neues Vorkommen von Interglacial zu Neudeck bei Freystadt, Kreis Rosenberg, Westpreussen.

Alfred, Jentzsch

Kurzfassung

Wer mit der tiberwiegenden Mehrzahl der norddeutschen Geologen den Geschiebemergel als Grundmor„ne von Inlandeis betrachtet, der kann sich der Annahme einer Interglacialstufe nicht entziehen. Obwohl der Verfasser seit Jahren wiederholt und entscheiden diese Stufe in Ostpreussen, Westpreussen, Schleswig-Holstein und Hannover nachgewiesen zu haben glaubt, ist doch din Thatsache, dass ein von anderer Seite bekannt gemachtes Vorkommen angeblichen Interglacials bei Lauenburg an der Elbe nach genauerer Untersuchung als auf T„uschung beruhend erkannt wurde, fr Manche der Sache ferner Stehende Anlass gewesen, allen Angaben ber norddeutsches Interglacial mit Misstrauen in zu begegnen. Dem gegenber hielt Redner an seinen frheren Angaben ber Interglacial mit Entschiedenheit fest, bezglich der Fauna und des Profiles auf die soeben ver”ffentlichten, von ihm bearbeiteten Sectionen Mewe, Rehhof, Mnsterwalde und Marienwerder der geolog. Specialkarte von Preussen verweisend, deren Text und Karten er allen Zweiflern zum Studium empfiehlt. Das von ihm neu aufgefundene Vorkommen von Neudeck ist das sd”stlichste in Westpreussen und das h”chste in Deutschland bekannte. Es liegt unter 53ø 36' 30'' N Br. und 36ø 59' 20'' O L., sowie etwa 360 Fuss (114 m) ber dem Ostseespiegel. Die von Freystadt nach Deutsch-Eylau fhrende Chaussee bildet bei dem Rittergute Neudeck ein Knie, indem sie eine vertorfende nordsdliche Seeenkette gerade an dem Punkte durchquert, welcher die Wasserscheide zwischen Gardenga und Ossa bildet. Unmittelbar n”rdlich der Chaussee liegt hier ein Soll bezw. ein auf der Generalstabskarte nicht verzeichneter kleiner See von 45 m nordsdlicher L„ngserstreckung. 35 m N NO vom Nordrande dieses See's, mithin ”stlich der Seeenkette liegt am Geh„nge der Anfang einer 40 m langen, 10 m breiten Grube, in welcher das Interglacial ansteht: Viele Meter m„chtiger Diluvialsand wird hier von Thon bedeckt, welcher westlich der Seeenkette von m„chtigem und weit verbreitetem Geschiebemergel (Oberem Diluvialmergel) berlagert wird.