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Die marinen Ablagerungen auf Gran Canaria.

Rothpletz August; Simonelli V.

Kurzfassung

Der nachfolgende Aufsatz ist auf Grund einer Arbeitsteilung entsanden, welche in den beiden Abschnitten über Stratigraphie und Fauna einen entsprechenden Ausdruck gefunden hat. Der eine von uns hat Gran Canaria im Jahre 1887 besucht, die zu besprechenden Ablagerungen an Ort und Stelle untersucht und radin Aufsammlungen veranstaltet. Er wurde hierbei von dem Director des naturhistorischen Museums zu Las Palmas, dem Herrn Dr. Don Gregorio Chil Y Naranjo in der liebenswürdigsten und entgegenkommendsten Weise unterstützt. Zugleich hat dieser Herr das im dortigen Museum befindliche, noch unbearbeitete Material von Versteinerungen mit dankenswerthester Bereitwilligkeit uns zur Verfügung gestellt und hierher nach München gesendet, wofür wir ihm auch an dieser Stelle unseren wärmsten Dank aussprechen wollen. Der andere von uns, welcher sich schon früher vielfach mit der lebenden und fossilen mediterranen Fauna beschäftigt hat, übernahm zu Anfang dieses Jahres die Bearbeitung der so zusammengebrachten Versteinerungen, wobei er durch das reiche Vergleichsmaterial, welches die hiesige paläontologische Sammlung besitzt (und das ihm durch die Güte des Herrn Prof. Von Zittel zugänglich war, wesentlich unterstützt wurde. Diese marinen Ablagerungen Canarias sind schon mehrfach beschrieben worden, aber doch immer nur bei Gelegenheit anderer Untersuchungen. Die Versteinerungen derselben hat Lyell zwar sehr ergiebig gesammelt, aber über die Bestimmungen derselben, welche P. P. Woodward vornahm, ist nur das Wenige bekannt geworden, was Lyell darüber veröffentlicht hat. Das Interesse, welches wir diesem Gegenstande entgegenbringen dürfen, ist ein doppeltes. Einmal ist es ein mehr locales und bezieht sich auf die Altersbestimmung, welche wir daraus für die Insel selbst gewinnen; denn die marinen Schichten stehen mit den vulkanischen, welche die Insel hauptsächlich aufbauen, in ähnlicher Weise in Zusammenhang wie auf Madeira und den Azoren. Sodann ist es ein allgemeineres Interesse, da die Fossilien eine Küstenfauna mitten im Ocean darstellen, welche sowohl zur gegenwärtigen als auch zur miocänen Küstenfauna des Mittelmeergebietes in enger Beziehung steht, ganz ebenso wie das theilweise ja auch für die jetzige Land-Flora der canarischen Inseln der Fall ist.