Original paper

Zur mikrochemischen Untersuchung einiger Minerale.

Lemberg, J.

Kurzfassung

Die gegenwärtigen mikrochemischen Untersuchungs-Methoden sind fast alle darauf gerichtet, nur die elementare chemische Zusammensetzung zu ermitteln, doch ist das Ergebniss dieses Verfahrens nicht immer eindeutig, weil dieselben Stoffe ja in verschiedenen Mineralen vorkommen können. Die Ermittelung von chemischen Reactionen, welche für ganz bestimmte Minerale bezeichnend sind, ist daher wünschenswerth. Ferner darf die chemische Reaction nur auf der Oberfläche des zu prüfenden Minerals verlaufen, die Reactionsproducte dürfen nur auf der Oberfläche niedergeschlagen werden, wodurch das Mineral kenntlich gemacht wird; dann erhält man Einsicht in die mineralogische Gruppirung der chemischen Stoffe, während eine solche nicht immer geliefert wird, wenn die Niederschläge an einem beliebigen Ort aus der Lösung sich ausscheiden. Besonders bei synthetischen Untersuchungen tritt immer die Frage heran: ist das gebildete Product ein chemisches Individuum? hier ist es wünschenswerth, die etwaigen fremden Beimengungen sichtbar machen zu können. Die folgenden Versuche sind alle an gröblich gepulverten Mineralen angestellt, nachdem der feine Staub durch Schlämmen entfernt war: bei sehr feinem Korn versagen die Untersuchungsmethoden. Zum Gelingen der Versuche ist es nöthig, dass die Oberfläche der Körner frei von fettigen Stoffen, überall benetzbar sei; besonders sei hervorgehoben, dass die Empfindlichkeit ein und desselben Minerals (auch von demselben Fundort) gegen chemische Agentien eine recht verschiedene ist, sodass die folgenden Angaben über Concentration und Einwirkungsdauer der Lösungen durchaus nicht allgemeine Geltung beanspruchen; es ist sehr wünschenswerth, dass solche Versuche an Orten ausgeführt werden, wo umfangreiche Sammlungen der verschiedenen Abarten von Mineralen vorhanden sind, weil dann die Grenzen der Brauchbarkeit einer Methode eher festgestellt werden können.