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Ueber das Alter des Ellipsactinien-Kalkes im alpinen Europa.

Oppenheim, Paul

Kurzfassung

Die Veranlassung zu meiner heutigen Mittheilung ueber die Altersfrage der Ellipsactinien-Kalke im alpinen Europa gab mir ein auf der diesjaehrigen allgemeinen Versammlung in Freiburg i. Br. gehaltener Vortrag des Herrn Jaekel. Der erwaehnte Herr sprach dort ueber mesozoische Crinoideen und erwaehnte in seiner Rede auch Formen aus dem Stramberger Neocom. Dieser Ausdruck, welcher meine lebhafte Aufmerksamkeit erregte, veranlasste mich, Herrn Jaekel zu interpretieren, was er unter demselben verstanden wissen wolle, worauf Herr Jaekel mir erwiederte, dass diese Verhaeltnisse ja so bekannt waeren, dass er des Naeheren darauf nicht eingegangen sei. Ich bin nun heut nach nochmaligem eingehendem Studium der einschlaegigen Fachliteratur in der Lage zu erklaeren, dass wenn Herr Jaekel mit dem besagten Ausdrucke Theile der Stramberger Kalkmasse bezeichnen wollte, Beweise fuer eine naehere Gliederung derselben und fuer den ausschliesslich neocomen Charakter eines ihrer Theile noch nicht erbracht worden sind. Wenn Herr Jaekel, wie es mir schien, den rothen Kalk von Nesselsdorf im Auge hatte, so betrachtet auch v. Mojsisovics denselben in seiner durch objective Belege nicht gestuetzten Eintheilung des Kalkmassivs, in welchem der rothe Kalk von Nesselsdorf nach der Ansicht dieses Autors das juengste Schichtenglied bildet, noch als jurassisch und Hohenegger. Suess, wie v. Zittel und Georg Boehm haben sich einstimmig gegen diese wie gegen jede weitere Aufloesung der Stramberger Kalke in Etagen und Zonen scharf ausgesprochen. Sollte HerrJaekel aber die neocomen Mergel des Karpathensandsteins haben erwaehnen wollen, so scheint mir der von ihm, wie auch an einer Stelle von v. Zittel angewendete Ausdruck "Stramberger Neocom" deshalb nicht ganz zutreffend und verstaendlich zu sein, weil ja nach der von vielen Seiten, insbesondere auch von den franzoesischen Fachgenossen betonten Auffassung der Stramberger Kalk und die meiner Ueberzeugung nach gleichalterigen Bildungen, die suedeuropaeischen Ellipsactinien-Kalke, selbst Aequivalente des pelagischen Neocom in sich zu schliessen scheinen.