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Ueber Loth, Pendel, Oceanniveau und Beweglichkeit unserer Erdrinde.

Ochsenius, Carl

Kurzfassung

In Anknüpfung an die in meinem letzten Aufsatze über das Alter einiger Theile der Anden angebrachte Stelle: "Ein Anhänger der Ansicht von der Existenz von Meeresbergen und -Thälern sagt: "Mit dem Barometer kann man die Störung der Niveauflächen durch ungleiche Massenvertheilung, d.h. deren Abweichung von der Oberfläche eines regelmässigen Rotations-Ellipsoides ebenso wenig bestimmen, wie z.B. die Anschwellung der Erde unter den Aequator. Die Flächen gleichen Druckes im Wasser und in der Luft folgen in ihrer Gestalt den gestörten Niveauflächen, sie gehen mit ihnen bergauf und bergab, wenn man so sagen darf, genau so wie die Lothlinie. Man kann deshalb die Störungen auch durch ein Nivellement nicht, entdecken. Das Pendel dagegen zeigt die Abplattung der Erde an. Aber soviel steht, fest, dass, wenn nicht durch eine besondere Vertheilung in der Dichte der tieferen Erdschichten die Unregelmässigkeit der Massenvertheilung, wie sie die Erdoberfläche darbietet, compensirt wird, Unregelmässigkeiten der Niveauflächen bis zu und über 1000 m Einsenkung resp. Erhebung vorkommen müssen, die man jedoch mit dem Barometer nicht messen kann." glaube ich Folgendes meinen seitherigen Ausführungen noch hinzufügen zu müssen. Helmert, der, wie die meisten Geodäten, mit grossem Recht die Ansicht von grossen Verschiedenheiten zwischen dem Erdellipsoid und dem Geoid (und damit auch die von der Existenz bedeutender Unregelmässigkeiten des Meeresniveaus) verwirft, sagte schon 1881 in seiner höheren Geodäsie, I, p. 365: "Jedenfalls darf man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass das Geoid vom Normalsphäroid weit weniger abweicht, als T. I angiebt." Sein Urtheil über die Ph. Fischer'schen Anschauungen über die aus Pendelbeobachtungen und Lothstörungen hergeleitete Unregelmässigkeit des Oceanniveaus ist geradezu vernichtend.