Original paper

Ueber den Dimorphismus der Magnesia.

Rinne, Fritz

Kurzfassung

In kalkigen Auswürflingen des Monte Somma fand Scacchi das von ihm Periklas genannte Mineral, dessen chemische Analyse MgO mit beigemischtem FeO ergab. Die Kryställchen, welche aus dem umgebenden Kalke leicht durch Salzsäure, von der sie selbst nur schwierig angegriffen werden, herauszulösen sind, stellen Würfel und Oktaëder dar. Es liegt mithin in ihnen die reguläre Entwickelungsform der Magnesia vor. Die optische Untersuchung bestätigt die Zugehörigkeit der Krystalle zu den in jeder Richtung optisch isotropen Körpern, denn sowohl Spaltblättchen des Minerals, die nach den Ebenen des Würfels leicht herzustellen sind, als auch säramtliche beliebig im Gesteinsdünnschliffe getroffenen Durchschnitte erweisen sich als nicht doppelbrechend. Somit entspricht das Magnesiumoxyd in seiner regulären Ausbildung als Periklas ganz den gleichartig zusammengesetzten Oxyden des Nickels, Mangans, Cadmiums, die in den natürlichen Krystallen des Bunsenits, Manganosits und den künstlichen des Oxydes des letzterwähnten Metalles in gleichfalls regulärer Formentwicklung bekannt sind. Im Hinblick auf die ganz ähnlichen, regulären Sulfide der erwähnten Metalle, zu denen dann noch das Zink hier hinzuzufügen und deren wichtigster Vertreter die Zinkblende ist, liegt die Frage nach der geometrischen Symmetrie im Rahmen des regulären Systems nahe, die dem regulären Magnesiumoxyd zukommt. Da nun am Periklas ausser Würfel und Oktaëder keine Gestalten vorhanden sind, welche durch ihre Vertheilung auf das Vorhandensein einer tetraëdrischen Heimedrie einen Schluss zu machen erlauben und das Oktaëder selbst keine sicheren Anzeichen für einen solchen darbietet, so ist die physikalische Untersuchung geboten. Dieselbe wird durch die ausgezeichnete Spaltbarkeit nach dem Würfel erleichtert.