Original paper

Die Aufstellung des Mischungsgesetzes der Feldspäthe durch J. F. Kessel.

Lemberg, J.

Kurzfassung

Bisher wurde angenommen, dass an der Aufstellung des Mischungsgesetzes der Plagioklase folgende Männer betheiligt sind: S. V. Waltershausen (1853), Th. Scheerer (1853), Delesse und St. Hunt (1855). Es wird die Fachgenossen interessiren zu erfahren, dass das Mischungsgesetz bereits im Jahre 1826 durch Hessel in Marburg aufgefunden wurde. Es ist das derselbe Forscher, von dem kürzlich Herr Sohnke dargethan (Zeitschrift f. Krystallogr., Bd. 18, p. 486), dass er im Jahre 1830, 19 Jahre vor Bravais, das Eintheilungsprincip der Krystalle entdeckt hat. Im Taschenbuch für die gesammte Mineralogie von Leonhard, Jahrgang 1826, Bd. I, p. 329, findet sich eine kleine Arbeit Hessel's: Chemischer Bestand der Glieder der Feldspath-Familie. Nachdem Hessel zunächst dargethan, dass der Labrador, der einzige damals bekannte Kalknatronfeldspath, als eine Verbindung von 1 Molecül Albit mit 3 Mol. Anorthit gedeutet werden kann, fährt er wörtlich fort: "somit wäre dann die allgemeine Formel für die Familie Feldspath: x (3 R S3 + R S3) + y (3 R S + R S), wo x und y veränderliche Grossen bedeuten, deren Werth auch = Null sein kann. Bis jetzt beobachtete Verhältnisse von x und y wären dann: 1 : 0 bei Petalit, Orthose, Albit, Periclin, 1 : 3 beim Labrador, 0 : 1 beim Anorthit."