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über die Frage des Unterschiedes zwischen sogen. Constitutions- und Krystallwasser

Kosmann, Bernhard

Kurzfassung

Die in unseren Lehrbüchern der Mineralogie und Mineralchemie niedergelegten Ansichten über die Constitution der wasserhaltigen Mineralien und Salze veranlassen mich zu einigen Bemerkungen über die Stellung des in diesen Mineralien erhaltenen Hydratwassers und über die molekulare Zusammensetzung dieser Verbindungen. Nach der geltenden Lehre wird ein principieller Unterschied zwischen sogen. Constitutions- und Krystallwasser durch die Beschaffenheit des Hydratwassers als gegeben erachtet. Noch immer auf der von Graham gegebenen Definition fassend, wird als Constitutionswasser dasjenige Wasser bezeichnet, welches aus einer Atomverbindung erst bei höherer Temperatur entweicht; als Krystallwasser dagegen dasjenige Wasser, welches schon unter 100° oder auch bei einer etwas über 100° gelegenen Temperatur entweicht und welches auch nach seiner Austreibung von der wasserfrei gewordenen Verbindung wieder aufgenommen werden kann. Wie hoch die Temperatur zu greifen ist, um das bei derselben entweichende Wasser als Krystallwasser betrachten zu können, darüber herrscht bei den Gelehrten völlige Unsicherheit und ebenso viel Willkür. Dem gegenüber habe ich seit 1886 die andere Ansicht aufgestellt, dass überhaupt eine derartige Unterscheidung zwischen Constitutions- und Krystallwasser, welcher sich auf die äusserlichen Merkmale der Temperatur-Unterschiede gründe, nicht und namentlich nicht in dem Sinne gemacht werden dürfe, als gehöre das Krystallwasser überhaupt nicht zur Constitution des betreffenden Körpers. Ich möchte daher von vorn herein feststellen, dass es nur eine Art der chemischen Bindung für die einer chemischen Verbindung eingefügten Wassermoleküle giebt und dass in der Stellung der verschiedenen Wassermoleküle einer Verbindung höchstens ein gradueller Unterschied gemacht werden kann hinsichtlich des Grades der chemischen Energie, durch welche die Innigkeit und Beständigkeit der erzeugten wasserhaltigen Verbindung, sowie das Volumen der aufgenommenen Wassermoleküle bedingt ist. Nach dieser Ansicht giebt es nur eine Art von Hydratwasser, nämlich Constitutionswasser, da eben jedes aufgenommene Molekül Wasser zur Constitution der betreffenden Verbindung gehört und letztere nothwendig verändert oder zerfallen muss, sobald eines dieser Wassermoleküle aus dem molekularen Gefüge der Verbindung fortgenommen wird.