Original paper

Ueber den geologischen Bau des Cabo de Gata.

Osann, Alfred

Kurzfassung

Nach den zahlreichen Untersuchungen von Ansted, Calderon, Von Drasche, Mac Pherson und der spanischen geologischen Landesuntersuchung, sowie der zusammenfassenden Darstellung von Suess (Antlitz der Erde), bildet die sogenannte betische Cordillere, der mächtige Grebirgszug, welcher die Provinz Andalusien von der Meerenge von Gibraltar in westöstlicher Richtung durchzieht und südlich Alicante in der Provinz Murcia die Ostküste der Halbinsel erreicht, ein junges Faltengebirge, dessen Hauptfaltung in der alttertiären Periode sich vollzogen hat. Man kann es als einen Ausläufer des grossen alpinen Faltensystems betrachten, das von der apenninischen Halbinsel nach Nordafrika übersetzt, vom Ras Addar bis in das nordwestliche Marocco die Küste einfasst und hier nach Norden umbiegend nach Europa zurückkehrt. Der Durchbruch der Strasse von Gibraltar, welcher das nordafrikanische Küstengebirge von der betischen Cordillere heute trennt, ist viel jünger als diese beiden Gebirge und für ihre Bildung von keiner Bedeutung. Wie ferner Suess gezeigt hat, bildet der allgemeine Bau sowohl dieses nordafrikanischen als südspanischen Faltengebirges ein vollständiges Analogon zu dem unserer Alpen; zwischen beiden Gebirgen liegt ein grosses Senkungsgebiet, durch dessen Absinken die Faltung der Ränder der anliegenden Continentalschollen zu erklären ist, und in der That zeigt der Bau dieser letzteren, dass der faltende Druck überall vom Meere landeinwärts gewirkt hat. Der gewaltige Horst der den grössten Theil Portugals, des centralen und nordwestlichen Spaniens einnehmenden Meseta hat dem nach Nordwesten und Norden gerichteten Vordringen der Faltung stauend entgegengewirkt und spielt so der betischen Cordillere gegenüber dieselbe Rolle, wie Schwarzwald, Vogesen und die böhmische Tafel gegen die centralen Alpen.