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Beiträge zur Kenntniss des Neogen in Griechenland.

Oppenheim, Paul

Kurzfassung

Mit einer geologischen Einleitung von Herrn Alfred Philippson in Berlin. Das Material zu vorliegender Studie wurde von Herrn Dr. Philippson während seiner, der geographischen und geologischen Erforschung Griechenlands gewidmeten Reisen (Herbst 1887, Frühjahr 1888, 1889 und 1890) gesammelt und mir zur Bearbeitung. Auf meinen Wunsch hin hat derselbe diesem Aufsatze eine Einleitung hinzugefügt, welche über die geologischen Verhältnisse insbesondere des peloponnesischen Neogen in aller Kürze orientiren will; für alle Einzelheiten sei auf die grössere Publication verwiesen, welche Herr Dr. Philippson demnächst über den Peloponnes veröffentlichen wird. Wir haben uns bei unserem Unternehmen der entgegenkommendsten Unterstützung seitens des Herrn Prof. Dr. E. Von Martens zu erfreuen gehabt; wir benutzen gern diese Gelegenheit, diesem Herrn Hierdurch auch öffentlich unseren wärmsten und ergebensten Dank auszusprechen. Die Kenntnis der jungen Bildungen Griechenlands ist im Wesentlichen bisher ausschliesslich durch die Thätigkeit französischer und österreichischer Forscher gefördert worden. Das erste Werk, welches unseren Gegenstand eingehender behandelt und welches wohl für alle Zeiten Grund legend geworden ist, bildet die Expedition scientifique de Morée, welches in den Jahren 1832-1836 zu Paris Schien; die geologischen Verhältnisse unseres Gebietes sind in diesem Werke durch Puillon De Boblaye und Théodore Virlet (Expedition scientifique de Morée, Section des sciences physiques, II, 2, Géologie et Minéralogie) geschildert, die Zoologie durch die beiden Geoffroy St. Hilaire, Deshayes, Biron und Bory De St. Vincent. Die geologischen Ergebnisse der Expedition, soweit sie das Neogen betreffen, kranken an einem fundamentalen Fehler; es wird aus den mächtigen Conglomeraten und meist versteinerungsleeren Mergeln, welche auf der Halbinsel bis zu bedeutenden Höhen ansteigen. ein älteres Tertiär gebildet, welches an einer Stelle (p. 23) mit dem Eocän (Étage parisien), an einer anderen Stelle (p. 216) mit der Molasse (Nagelfluhe) der Schweiz oder dem "Tertiaire moyen" gleichgestellt und im Gegensatze behandelt wird zu den marinen Pliocänbildungen, dem "Étage subapennin", welche die Küsten der Peloponnes umsäumen; eine irrige Anschauung, deren Richtigstellung für die Auffassung des tektonischen Aufbaues der peloponnesischen Gebirge von der höchsten Bedeutung ist. Wir werden weiter unten sehen, dass diese Conglomerate in der That das Hangendste der unterpliocänen "Subapenninmergel" bilden.