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Beobachtungen an den in Kreide eingebetteten Diluvialablagerungen Rügens.

Stapff, F. M.

Kurzfassung

Umgestauchte Schichtenköpfe unter Diluvialablagerungen, und die Einquetschung letzterer in ihre Unterlage, beweisen meiner Ansicht nach nichts für die vermeintliche mechanische Thätigkeit einer unmittelbar auf den Diluvialschutt und sein Bett mit unbegrenzter "eigener innewohnender Kraft" schiebenden zusammenhängenden Schreiteisdecke. An jetzigen Gebirgegletschern, Landeisfeldern, sogen. fossilen Gletschern, ist eine derartige Wirkungsweise des Eises in genügendem Ausmaass noch nicht beobachtet worden; dagegen kommen oberflächliche Stauchungen und Einbettungen häufig unter Verhältnissen vor, welche ihre Entstehung auf andere Weise als durch pflügendes Eis unmittelbar erkennen lassen. Zwischen einer grossen zusammenhängenden Eisdecke und ihrer Unterlage muss schuttbeladenes Wasser geströmt sein, welchem die wesentlichste Rolle der Diluvialmechanik zufällt, während das Eis höchstens an solchen Stellen unmittelbar arbeiten konnte, wo es an Bodenerhöhungen auflief oder strandete. In vielen Fällen, und besonders auch in den hier zu erörternden, ist die Richtung der "Umstauchung" widersinnig zur Bewegung des supponirten Schreiteises, welches die Umstauchung hervorgebracht haben soll. Dennoch verdienen die räthselhaften Einwirrungen von Diluvialschutt in den Kreideklippen der Halbinsel Jasmund auf Rügen, und besonders das Profil solcher am "Kieler Ufer" aus allen Gesichtspunkten untersucht zu werden, schon wegen der Aufschlüsse, welche sie über die neuesten Bodenbewegungen im Ostseebecken geben können. Credner's Richtigstellung der Angaben und Auslegungen Berendt's (diese Zeitschr., 1889, p. 148 bis 154, und p. 365-370) enthält eine principiell zutreffende Darstellung und Erklärung dieser Erscheinungen, lässt aber wesentliche Details noch unberücksichtigt.