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Die Gattungen Dreyssensia Van Beneden und Congeria Partsch, ihre gegenseitigen Beziehungen und ihre Vertheilung in Zeit und Raum.

Oppenheim, Paul

Kurzfassung

Des Wiederholten habe ich in meinen letzten Publicationen die Behauptung aufgestellt, dass die Gattungen Dreyssensia Van Beneden und Congeria Partsch sich nicht decken, dass daher die aus der jetzigen räumlichen Verbreitung der ersteren Gruppe gewonnenen thiergeographischen Resultate für die letztere ihre Anwendbarkeit nicht finden, dass somit der so oft den Congerien-Schichten Oesterreich-Ungarns vindicirte pontisch-caspische Charakter sich bei den prägnantesten Erscheinungen ihrer Fauna nicht bestätigt. Es waren dies bisher mehr oder weniger nur Thesen; Beweise für diese meine Behauptungen zu geben, dazu reichte gewöhnlich der mir zur Verfügung stehende Raum nicht aus. Ich will das noch Fehlende nun in den folgenden Blättern nachzuholen versuchen und darin eine Schilderung der Entstehung beider Gattungsnamen und Begriffe geben, die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen recenten und fossilen Typen feststellen, auf die zeitliche Entwicklung des Formenkreises, soweit wir dieselbe aus dem vorhandenen Materiale zu überblicken im Stande sind, eingehen und schliesslich aus den gewonnenen Resultaten einige nothwendigen Folgerungen ziehen. Parenthetisch will ich noch bemerken, dass mir auch bei dieser Untersuchung die freundliche Unterstützung, welche mir Herr Professor E. Von Martens durch Nachweis von Literaturangaben und Mittheilung recenten Materials zu Theil werden liess, von grösstem Nutzen war, und die Gelegenheit gern benutzen, demselben hierdurch auch öffentlich meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. Im Jahre 1769 überraschte Pallas die wissenschaftliche Welt durch die Kunde, dass es ihm gelungen sei, in den grossen südrussischen Strömen und im Caspischen Meere dieselbe Art von Mytilus aufzufinden, mithin das Vorkommen dieser bis dahin als rein marin betrachteten Formengruppe im brakischen und süssen Wasser festzustellen.