Original paper

Ueber das Valorsineconglomerat.

Pohlig, Hans

Kurzfassung

Von dem neueren Standpunkt aus, welchen die allgemeinere Kenntnissnabme der von mir zuerst als solcher erkannten und ausführlich beschriebenen, archaeischen Conglomeratgneisse des Königreiches Sachsen gewährt, wird die Mittheilung eigener Untersuchungsergebnisse über die sogen. Valorsineconglomerate der Schweiz, wie ich hoffe, nicht unerwünscht sein; haben doch diese bemerkeuswerthen Gebilde nicht einmal vorher diejenige Würdigung in Gestalt einer eingehenderen Beschreibung gefunden, welche sie immerhin verdienen. Der erste, welcher das Vorkommen, als Puddingstein, erwähnte, war der Entdecker des Chamounixthales Saussure; doch geht er in seinen "Voyages dans les Alpes" nicht auf die Zusammensetzung dieses Conglomerates ein, sondern beweist nur aus dessen steiler Schichtenstellung die Aufrichtung des Gebirges zum ersten Mal. Dadurch, nicht durch seine Zusammnensetzung, ist das Vorkommen classisch und seinerzeit berühmt geworden. A. Favre fand in dem Gestein Gerölle mit Eindrücken, wie in der Nagelflue, und schloss daraus, wie aus dem von ihm beobachteten teigartigen Anhaften von Bindemittel an Geröllen und zuweilen gneissartigem Aussehen des letzteren, dass das Gestein einen durch Metamorphose wieder erweichten Zustand durchgemacht haben müsse. Studer beschreibt das. Conglomerat als Verrucano, zwischen der "Ebene" Céblanc bei Valorsine und dem Col de Balme; das Bindemittel ist nach ihm ein rother oder violetter, wohl auch grüner und grauer Schiefer, meist aus Glimmer bestehend, und die sandkorn- bis kopfgrossen Geschiebe von Gneiss, Glimmerschiefer und Quarz verkittend. Gegenwärtig ist das Valorsineconglomerat durch die neue Strasse, welche von der Station Vernayaz der Walliser Bahn, an der Trientklamm. über Salvan und Finhaut nach Chatelard führt, ausgiebig aufgeschlossen, und kein Geologe, welcher das Chamounixthal besucht, sollte es versäumen, einmal jene Richtung einzuschlagen. Auf einem zusammenfassenden Alpenzug, welchen ich während des vergangenen Herbstes von Pesth aus über den Plattensee bis hin nach Genf unternahm, lernte ich jene neuen Aufschlüsse zuerst kennen und theile in Folgendem meine dort gemachten Wahrnehmungen mit.