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Die Entstehung der Lapisinischen Seen.

Futterer, Karl

Kurzfassung

Die Frage nach der Entstehung der die Alpen an ihrem Nord- und Südfusse begleitenden Seen ist eine noch viel umstrittene. Aus der Menge der zu ihrer Lösung aufgestellten Hypothesen, deren jede von den an einem bestimmten Falle beobachteten Verhältnissen ausgeht und für einen bestimmten See zutrifft, die aber für die meisten anderen Seen unanwendbar bleibt, geht zunächst hervor, dass dieses Problem nicht generell zu lösen ist, sondern dass es dazu der genauesten Untersuchung der geologischen Verhältnisse von Fall zu Fall bedarf. Um einige Beispiele zu erwähnen, so dürfte es wohl nach den Untersuchungen Penck's als erwiesen gelten, dass einige der oberbayerischen Randseen (z.B. der Starnberger See) durch glaciale Erosion oder Ausräumung entstanden sind und ganz oder wenigstens theilweise erst während der Eiszeit gebildet wurden. Ebenso dürfte die flache Beckenform vieler besonders hochalpinen Seen in hartem Gesteine (z.B. die kleinen Seebecken des St. Gotthardmassivs) dem Ausschleifen durch Gletscher, der sogen, glacialen Corrasion mit Sicherheit zuzuschreiben sein. Ob dieser letztere Factor aber in der ausgedehnten Weise zur Seenbildung beigetragen hat, wie von Penck vorausgesetzt wird, wenn er die grossen Gebirgsrandseen der Schweiz und Ober-Italiens durch ihn erklären will, wird wohl mit Recht in Zweifel gezogen. In eine weitere Kategorie gehören diejenigen alpinen Seen, welche durch Bergstürtze und Moränen oder auch durch Eiswälle aufgestaut worden sind. Wieder andere sind durch tektonische Vorgänge, sei es durch Einbrüche oder Faltungen, sei es durch Verwerfungen hervorgebracht worden. Die verschiedenen Arten der Seebildung und ihre Eintheilung hat v. Richthofen zusammengestellt; wir werden zu untersuchen haben, welchen Kräften die Lapisinischen Seen ihre Entstehung verdanken und welcher Classe von Seen sie zuzurechnen sein werden.