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Bemerkungen über die angebliche Discordanz zwischen Culm und Waldenburger Schichten im Waldenburger Becken.

Schütze, Ewrald

Kurzfassung

In den letzten beiden Jahren hat Herr Dr. Dathe mit einem grossen Zeitaufwand eine Menge Beobachtungen über das Streichen und Fallen der Culm- und Waldenburger Schichten angestellt und ist dabei zu dem Resultat gelangt, dass von Neukrausendorf bis Wittgendorf, auf einer Strecke von 23 km, die Waldenburger Schichten discordant auf den Culmschichten lagern und dass die ersteren erst nach der steilen Aufrichtung der letzteren abgelagert worden sind. Die Richtigkeit dieses Resultates lässt sich jedoch aus mehrfachen Gründen anfechten und die nachstehenden Zeilen haben den Zweck, diejenigen Thatsachen zusammen zu fassen, welche gegen die behauptete Discordanz sprechen. Zuvörderst wird bemerkt, dass die Beobachtungen nur am Ausgehenden gemacht worden sind, wo die Schichtenköpfe nicht immer die ursprüngliche Schichtenneigung bewahrt haben, und dass die weit sichere Resultate gewährenden unterirdischen Aufschlüsse vollständig unbeachtet geblieben sind, obgleich Waldenburg ein reichliches Material für die Beurtheilung, ob eine Discordanz vorhanden sei, darbietet. Die von Dathe zum Vergleich von Streichen und Fallen der Culm- und Waldenburger Schichten benutzten Punkte liegen 100, 160 und mehr Meter von einander entfernt und wenn man auch die dort gemachten Beobachtungen als richtig anerkennt, so sind doch die daraus gezogenen Schlüsse falsch. Das Profil durch den Friedrich-Wilhelm-Stolln bei Altwasser, welcher die Culm- und Waldenburger Schichten durchquert hat und das vollständigste Bild der Lagerung derselben darbietet, zeigt eine liegende Zone von Culmschiefern und Conglomeraten in überstürzter (widersinniger) Stellung und darauf solche Schichten, deren Neigungswinkel von 90 bis 45° herabgeht, und mit derselben Neigung erscheint das erste Flötzchen, das sogenannte Cannelkohlflötz, welches keine Steinkohle, sondern ein Brandschiefer ist.