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Zur mikrochemischen Untersuchung einiger Minerale.

Lemberg, J.

Kurzfassung

1. In einer früheren Arbeit (diese Zeitschr., 1890, p 737) war gezeigt, dass man Skapolithpulver (St. Lawrence Cty.) dadurch kenntlich machen kann, dass man das im Skapolith enthaltene Chlor als AgCl auf der Oberfläche des Minerals niederschlägt und dann das AgCl zu Ag reducirt. Im Folgenden sind die Ergebnisse von Versuchen, die an Dünnschliffen angestellt wurden, mitgetheilt Man bedeckt den Schliff mit einer 1-2 mm dicken Schicht einer wässerigen Lösung, die 6 pCt. HF, 4 pCt. HNO3 und 2 pCt. AgNO3 enthält, spült nach genügender Einwirkung mit Wasser ab und reducirt das AgCl durch die Entwicklungsflüssigkeit zu Ag; die Entwicklungsflüssigkeit stellt man sich her, indem man, unmittelbar vor dem Gebrauch, etwa ein Centigramm Pyrogallol zu einem Cubikcentimeter einer wässerigen Lösung von 0,4 pCt. HNO3 und 0,2 pCt AgNO3 zufügt. Nur bei den Cl-reichsten Skapolithen ist die Reduction des AgCl durch die Entwicklungsflüssigkeit empfehlenswerth, bei Cl-ärmeren (aber auch bei den Cl-reichsten) ist es gerathener, das AgCl durch Belichtung, am besten durch unmittelbares Sonnenlicht, violett zu färben. Vor der Belichtung muss der Schliff durch Abspülen sorgfältig von der sauren Lösung befreit werden, während der Belichtung ist er immer mit einer dünnen Wasserschicht bedeckt zu erhalten, die von Zeit zu Zeit zu erneuern ist. Ist die Violettfärbung durch Belichtung eingetreten, so kann man immer noch, wenn erforderlich, die Entwicklungsflüssigkeit anwenden, doch löst sich das metallische Silber leicht ab. Enthält der Skapolith CaCO3 beigemengt, so behandelt man den Schliff mit kalter, sehr verdünnter Salpetersäure, bis eine CO2-Entwicklung nicht mehr wahrnehmbar ist, spült ab, trocknet vorsichtig und lässt erst dann die saure AgNO3-Lösung einwirken.