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Die mitteljurassischen Brachiopoden-Schichten bei Castel Tesino im östlichen Südtirol.

Böse, Emil/Finkelstein, Heinrich

Kurzfassung

Einleitung. Die jurassischen Brachiopoden-Schichten des Mte. Agaro bei Castel Tesino (Val Sugana) wurden in der Literatur zuerst von V. Mojsisovics erwähnt und als Lias vom Charakter der Sospirolo-Schichten gedeutet. Eingehender bearbeitet wurde die Fauna drei Mal. und zwar 1882 von Canavari und Parona, welche die Ablagerungen in den unteren Dogger stellten; 1884 von Haas, welcher jene Schichten für Lias hielt, die Arbeit seiner italienischen Vorgänger jedoch nicht kannte. Parona revidirte daraufhin seine Bestimmungen, änderte Einiges daran, blieb aber im Grossen und Ganzen bei seiner Meinung. Endlich wurde jene Fauna ein drittes Mal bearbeitet und zwar von De Gregorio, welcher alle Ablagerungen von der Zone der Terebratula Aspasia an bis zu dejenigen der Posidonomya alpina in einen Horizont, den Alpiniano, zusammenfasste. 1889 fand Finkelstein beides im unteren Dogger Formen, welche auch an unserem Fundplatz vorkommen, und dies bewog uns, jene Schichten am Mte. Agaro auf ihre stratigraphische Lage hin an Ort und Stelle zu untersuchen. Wir begingen das Gebiet im Sommer 1891, und da es sich als tektonisch interessant erwies, so kartirten wir dasselbe bis zum Granit der Cima d'Asta. Das Gebiet, dessen tektonische Verhältnisse unsere Profile darstellen, wird im Norden durch die Höhen der Cima Orenna, welche geologisch bereits zum Granitstock der Cima d'Asta gehören, begrenzt. Es wird im Osten durch das Zenaigathal, im Westen durch die Val Tolva abgeschlossen. Im Süden ergiebt die Einsenkung bei Castel Tesino einen natürlichen Abschluss. Die Fortsetzung der Val Tolva nach Süden bildet die Val Grigno, welche ihrerseits in die Val Sugana einmündet.