Original paper

Ueber die tektonischen Verhältnisse der Republik Mexico.

Johannes, Felix/Hans, Lenk

Kurzfassung

Von den beiden Hälften, in welche die breite Niederung des Mississippithales das nordamerikanische Festland theilt, besitzt nur die mächtigere Westhälfte eine ihrem orographischen Bau entsprechende Fortsetzung nach Süden über den 30. Breitegrad hinaus. Diese Fortsetzung ist sogar eine doppelte: sie besteht einmal in der langgestreckten Halbinsel Unter-Californien, welche durch den etwa 1000 km tief eingreifenden Meerbusen von Californien vom Festland abgetrennt ist, und ferner in einer gleichfalls halbinselartigen Landmasse, die, im Allgemeinen von trapezähnlicher Form, sich allmählich verschmälernd südwärts bis zum 16. Breitegrade hinabreicht und an ihrer Südostspitze durch den schmalen, kaum 200 km breiten Isthmus von Tehuantepec mit Centralamerika in continentaler Verbindung steht. Ein verhältnissmässig kleiner Theil der Föderativ-Republik Mexico, nämlich die vier Staaten Tabasco, Campeche, Yucatan und Chiapas, liegt auf centralamerikanischem Gebiet; die weitaus grössere Hälfte - 23 Staaten mit dem Bundesdistrict und dem Territorium Baja California - gehört dagegen in geographischer Beziehung zu Nordamerika. Ausschliesslich auf dieses letztere Areal von rund 1 700 000 qkm Flächeninhalt beziehen sich die folgenden Bemerkungen, wenn auch, der Einfachheit halber, nur kurzweg von Mexico die Rede ist. Der Charakter in der Bodengestaltung des westlichen Nordamerika bleibt sich vom 45. bis zum 19. Breitegrad hinab auffallend gleich. Die Hauptmasse des Continents bildet Hochland von relativ bedeutender Höhe über dem Meeresspiegel, im Innern von kleineren und grösseren Gebirgsketten durchzogen, nach Ost und West ziemlich steil zu Tieflandregionen abfallend. Im Westen findet sich diesen noch vorgelagert eine selbstständige Bodenerhebung, die pacifische Küstenkette, deren südliche Verlängerung nach Gabb's Untersuchungen die Halbinsel Unter-Californien bildet.