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Zur Entstehung des lössartigen Lehmes.

Kloos, J.

Kurzfassung

Am 8. März 1873 hielt Freiherr Von Richthofen in der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin seinen Vortrag über die Lösslandscliaften im nördlichen China und ihre Beziehungen zu Central-Asien. Erst vier Jahre später erschien dieser Vortrag als ein besonderes Kapitel in dem I. Band des grossen Reisewerkes über China. V. Richthofen übertrug auf eine Bodenart, welche in einer vorher nie geahnten Ausdehnung und Mächtigkeit den Boden Chinas bedeckt, den Namen, welcher auf der Beschaffenheit, derselben begründet, in unseren deutschen Gauen entstanden ist; denn Löss bedeutet los, locker, zerreiblich und die Benennung entstand im Volke. Die erste wissenschaftliche Erforschung der in den Thälern von Rhein, Donau, Elbe, Main und Neckar, sowie an den Gehängen der diese Flüsse einschliessenden Gebirge so sehr verbreiteten, alle älteren Gesteine gleichmässig bedeckenden Bodenart wurde bereits im Jahre 1823 von Alexander Braun vorgenommen und seitdem ist sie der Gegenstand genauer Untersuchung bedeutender Forscher geblieben. Der Vortrag V. Richthofen's gab in dieser Richtung einen neuen Anstoss, und die Umwälzungen der neuesten Zeit in unseren Ansichten über die in den jüngsten geologischen Perioden obwaltenden Verhältnisse in Deutschland überhaupt trugen dazu bei, das sogen. Lössproblem immer von Neuem in's Auge zu fassen. V. Richthofen führte bekanntlich in überzeugender Weise aus, dass der Löss in China subaërischer Entstehung sei, dass er durch Winde und Rieselwasser aus älteren, ebenfalls lockeren, aber gröberen Ablagerungen ausgelaugt, transportirt und dann in einer neuen Form wieder abgesetzt ist. Zugleich hebt er wiederholt hervor, es sei eins der am meisten charakteristischen Merkmale des Löss, dass die feinen Sandkörnchen, welche ihn zum grössten Theil zusammensetzen, eine eckige, ungerollte Gestalt haben.