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Der Querbruch von Santa Croce und die Bildung der Schuttmassen von Cima Fadalto und der Rovine di Vedana bei Belluno.

Hoernes, Rudolf

Kurzfassung

Herr Karl Futterer erörterte kürzlich in dieser Zeitschrift (44. Bd., Heft 1, p. 133 ff.) die Entstehung der Lapisinischen Seen. Da die von ihm gegebene Darstellung in wesentlichen Punkten von jener abweicht, welche seinerseits auf Grund von mir gemachter Angaben in dem grossen Werke von E. v. Mojsisovics "Die Dolomitriffe von Südtirol und Venetien" (p. 455 bis 457 u. 473) veröffentlicht wurde, erachte ich mich verpflichtet, mit wenigen Worten die wesentlichsten Differenzen beider Darstellungen zu erörtern. Sie beziehen sich erstlich auf die quer gerichtete Störung, welche bei Sta. Croce jenen Bergzug durchsetzt, der die tertiären Mulden von Belluno und Alpago von der Po-Ebene trennt, in welcher Störung ich nicht blos einen einfachen Querbrach, sondern auch eine horizontale Verschiebung der angrenzenden Gebirgstheile zu erkennen glaubte und zweitens auf die Natur der mächtigen Blockanhäufungen zwischen den beiden Seen dem Lago di Santa Croce und dem Lago Morto. Was die Tektonik des von mir 1876 mit nicht genügender Genauigkeit untersuchten Gebietes anlangt, so geht aus der Darstellung des Herrn Futterer wohl zur Genüge hervor, dass ausser dem Hauptbruche, welcher vom Nordende des Sees von Sta. Croce bis zum Lago Morto zu verfolgen ist, nicht allein noch mehrere andere Brüche vorhanden sind, welche in derselben Richtung (annähernd N-S) das Gebirge zurchsetzen, sondern, dass auch im Streichen des Gebirges liegende Brüche auftreten, von welchen insbesondere die Linie G H der Futterer'schen Karte für die Lagerung der Tertiärbildungen des abgeschnürten Beckens von Alpago bedeutsam wird.