Original paper

über die heteromorphen Zustände des Calciumcarbonats hinsichtlich der Bedingungen für deren Bildung.

Kosmann

Kurzfassung

Als ich vor wenigen Wochen die Ehre hatte, Ihnen in dem von mir zubenannten "Hydrocalcit" von Wolmsdorf die hydratisirte Verbindung der Bergmilch vorzulegen, so konnte hierbei festgestellt werden, dass zur Zeit drei heteromorphe Zustände des Calciumcarbonats als vorhanden anzuerkennen sind, nämlich als Kalkspath, als Arragonit und als Bergmilch. Es fragt sich, welchen Ursachen die verschiedenartige moleculare Gestaltung der krystallinischen Producte des Calciumcarbonats ihre Entstehung verdankt. Die Antwort lautet darauf, dass lediglich die thermochemischen Bedingungen des Werdezustandes für die moleculare Umbildung maassgebend sind und in Betracht kommen. Es ergiebt sich folgendes: Die Neutralisationswärme des kohlensauren Calciums. d.h. des in wässeriger Lösung erhaltenen freien Niederschlags in der Verbindung CaO, CO2 hat Thomsen zu 42520 cal. angegeben. Ferner wird von Thomsen angegeben die Wärmetönung der Verbindung CaO, 2 HCl aq = 46030 cal. Hieraus folgt, dass die Zersetzungswärme des frisch gefällten Calciumcarbonats mittels verdünnter Chlorwasserstoffsäure = 46030 - 42520 = 3510 cal. ist, d.h. bei der Zersetzung des Carbonats mittels 2 Mol. HCl werden 3510 cal. entwickelt. Nun hat aber Kopp schon vor längerer Zeit, nämlich länger als 30 Jahre, nachgewiesen - ohne dass diese Daten für die Charakteristik der beiden Minerale irgend hinlänglich Beachtung gefunden hätten - dass 100 Theile kohlensaures Calcium bei der Zersetzung mittels verdünnter Chlorwasserstoffsäure als Kalkspath 4632 cal., als Arragonit aber 5952 cal. entwickeln. Hieraus folgt, dass, um 4632 cal. zu entwickeln, Kalkspath eine Wärmetönung von 46030 - 4632 = 41398 cal. besitzen muss. Arragonit aber, um 5952 cal. zu entwickeln, eine solche von 46030 - 5952 = 40078 cal. besitzen muss.