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Ueber innere Gaumenfalten bei fossilen Cerithien und Melaniaden.

Oppenheim, Paul

Kurzfassung

Viele marine Gastropoden besitzen bekanntlich auf der Aussenlippe der Mündung eine Anzahl von mehr oder weniger in's Innere derselben reichenden Gaumenfalten. Am auffallendsten ist die Erscheinung bei allen Pyramidelliden, insbesondere bei Obeliscus Humphrey (cf. O. dolobrata Linné. Fischer: Manuel de Conchyliologie, p. 786, VIII, f. 11); sie tritt typisch auf bei Phos, Cominella, Cancellaria, Peristernia, Pisania, vielen Purpura-Arten, Tritonium, Cassis, Cassidaria, Pollia, Monodonta, Oniscia, Clanculus und vielen anderen Formen. Auch unter echten Landbewohnern ist die Erscheinung, wenngleich in viel geringerer Häufigkeit, verbreitet; sie ist charakteristisch für Clausilia, Ennea, Pupa unter den recenten und für Palaeostoa Andreæ unter den fossilen Formen. Auch Diplommatina soll, wie mir Prof. Boettger in Frankfurt a. Main seiner Zeit (17. Februar 1892) mittheilte, derartige Falten zu gewissen Stadien der Gehäuseentwicklung besitzen. Ueber die physiologische Bedeutung derartiger Palatalen für das Thier scheinen umfassendere Untersuchungen zur Zeit noch zu fehlen. Prof. Boettger schrieb mir in dem oben erwähnten Briefe: "Ueber die physiologische Bedeutung der Palatalen ist mir keine Arbeit bekannt. Bei den Clausilien dienen sie wohl sicher als Führungsleisten für das Clausilium; bei manchen anderen, marinen, Formen wohl auch zur richtigen und bequemen Führung des Deckels; bei Nerineen, deckellosen Arten aller Gruppen wohl auch als Anhaltspunkte für die Muskeln, welche Drehung und Wendung der Schale zu besorgen haben, sobald das Thier kriecht und schwimmt. Sie würden dann den Knochenleisten und Knorren des inneren Skelettes der Wirbelthiere entsprechen."