Original paper

über den sogen, archäischen District von Strehla bei Riesa in Sachsen.

Klemm, Gustav

Kurzfassung

Im ersten Heft des laufenden Jahrganges dieser Zeitschrift erwähnt Herr H. Pohlig in Bonn in einer Mittheilung über die Conglomerate von Valorsine in der Schweiz auch das von ihm im Jahre 1877 in seiner Dissertation "Der archäische District von Strehla bei Riesa in Sachsen" beschriebene Conglomeratgestein, welches er hier nochmals als archäisch anspricht. Diese Bemerkung des Herrn Pohlig giebt mir Veranlassung, Ihnen kurz eine abweichende Meinung über das Alter jenes Gesteins und des ganzen Strehla'er Districts überhaupt zu entwickeln, einer Gegend, welche zuletzt in den Jahren 1886 und 1887 von Herrn F. Schalch und mir im Auftrag der königl. sächsischen Landesuntersuchung geologisch aufgenommen und beschrieben worden ist, wobei Herr Schalch den westlichen Theil derselben, Section Oschatz - Wellerswalde, ich den östlichen, Section Riesa-Strehla, bearbeitete. In den Erläuterungen zu diesen Sectionen finden Sie noch im Wesentlichen denselben Standpunkt vertreten, welchen schon Pohlig eingenommen hatte, dass nämlich die Strehla'er Berge aus der Gneiss-, der Glimmerschiefer- und der Phyllitformation aufgebaut seien und mit dem concordant aufgelagerten silurischen Grauwackerisandstein die dritte, kleinste und nördlichste der drei Falten des erzgebirgischen Systems darstelle, welches nach Credner den Grundplan des geologischen, Baues der westlichen Hälfte des Königreichs Sachsen bildet. Bei meinen späteren Aufnahmen im Lausitzer Granitgebiet lernte ich nun aber eine Reihe von Thatsachen kennen, welche mir die Gesteine der Strehla'er Berge in einem anderen Lichte erscheinen Hessen, sodass ich dieselben nunmehr zum Theil als Ausläufer der Meissener Granit-Syenit-Massivs, zum Theil aber als von diesem contactmetamorphisch veränderte Schiefergesteine, wahrscheinlich silurischen und noch jüngeren Alters, betrachten möchte, während sowohl die Eruptivmassen als zum Theil auch die Sedimentgesteine durch den Gebirgsdruck starke Umformungen erlitten haben.