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Ueber das Rhät (?) am Antelao.

Böhm, Johannes

Kurzfassung

Anfang Juli d. J. besuchte ich den Antelao. Auf dem breiten Schuttmeere am Südfusse des Sorapiss-Massivs zwischen San Vito del Cadore und dem Fuss der Forcella piccola sammelte ich Megalodus cf. Tofanae Hörn., ferner Myoplioria picta Leps. und Guidonia Songavatii Stopp, sp. Beim Anstiege zur Forcella piccola selbst glaubt man sich in die bayrischen Alpen versetzt, so vollkommene Uebereinstimmung zeigt das anstehende Gestein mit dem Hauptdolomit; es ist hinzuzufügen, dass zur Rechten unter die mit ca. 60° aufgerichteten Platten der Bocchi d'Impospanda die rothen und grünlichen Mergel der Raibler Schichten einschiessen. Auf dem Passe hat man im Süden den Antelao, "dessen Platten, etwas treppenförmig gegen einander vorstehend und abgebrochen, fast wie eine grosse Ebene von den höchsten Theilen zur Forcella piccola und in's Val Oten hinabziehen". Sie stossen hier an dem Antelao-Bruch ab, dessen Grossartigkeit, von San Vito gesehen, Hörnes hervorhebt. Etwa 1/2 Stunde über der Forcella piccola, etwas über der Stelle, wo auf der italienischen Generalstabskarte (F. 12. Monte Antelao) die Höhenzahl 2390 eingetragen ist, erhebt sich eine schartige Felswand; sie bildet den Ostflügel des steilwandigen Kessels über dem Pass, und der Weg zum Gipfel führt hart an ihr vorüber. Das Gestein ist ein blendend weisser, zuckerkörniger Kalkstein, dicht erfüllt mit Hirsekorn-ähnlichen bis erbsengrossen, ganz unregelmässigen Oolithen, deren Kern entweder aus einem Gastropoden-Fragment oder einer unregelmäßigen krystallinischen Masse besteht. Weiter umschliesst das Gestein eine mannichfaltige und wohlerhaltene Fauna kleiner Schnecken, die Hörnes zuerst aufgefunden hat. Unter diesen stimmt ein Exemplar wohl mit v. Dittmar's Abbildung der Alaria (?) Quenstedti Stopp, sp. überein.