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Die Irpfelhöhle im Brenzthale (Württemberg).

Fraas, Eberhard

Kurzfassung

Das mächtige aber doch reich zerklüftete Kalkgebirge der schwäbischen Alb zeichnet sich natürlicher Weise auch durch eine grosse Anzahl von Grotten- und Höhlenbildungen aus, die bald ausschliesslich auf Erosion zurückzuführen sind, bald aber auch mit localen Spaltenbildungen und Zerklüftungen des Gebirges in Verbindung gebracht werden können, wie dies C. Endriss nachzuweisen sucht. Eine grössere tectonische Bedeutung als die localer Zerklüftungen wird sich aber wohl kaum herausconstruiren lassen, wenigstens ist keine der bis jetzt beobachteten grösseren Verwerfungslinien irgendwie durch Reichthum an Höhlenbildungen ausgezeichnet. Zweck dieser Zeilen ist es auch nicht, etwa im Anschluss an die Arbeit von Endriss etwas Neues über die Geologie der Höhlen im Allgemeinen vorzuführen, sondern ich suche lediglich die neuesten Höhlenfunde im Brenzthale, welche im Laufe des vergangenen Jahres gemacht wurden, im Anschluss an die Höhle selbst und an die characteristische Landschaft zusammenzustellen. Die Brenz bildet ein nach Süden, also nach der Donau, gerichtetes Querthal durch den Theil der schwäbischen Alb, welcher als Aalbuch die östliche Abgrenzung gegen den Frankenjura darstellt. Durchgehend werden die Thalränder von den nackten oder mit Buchenwald bewachsenen Gehängen des obersten weissen Jura gebildet, bis die Brenz hinaus tritt in die fluvioglaciale und alluviale Ebene des Donauthales. In ungezählter Menge finden sich an den kalkigen und dolomitischen Thalgehängen und in den Seitenthälern Grotten und Höhlen vor, die auch vielfach schon der Gegenstand eingehender Ausgrabungen und Untersuchungen waren. Liegt doch hier die berühmteste aller schwäbischen Höhlen, der Hohlenstein, aus welchem durch die Ausgrabungen im Jahre 1861 von O. Fraas die Knochen von Höhlenbären und anderen Diluvialthieren zu Tausenden zu Tage gefördert wurden.