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Bemerkungen über die räumliche Vertheilung und morphologischen Eigentümlichkeiten der Vulcane Guatemalas.

Sapper, Carl

Kurzfassung

Angesichts der leichten Erreichbarkeit und der exponirten Lage der Vulkane Guatemalas ist es zu verwundern, dass dieselben noch nicht eingehender studirt worden sind, sondern seit lange von den Geologen vernachlässigt zu werden scheinen. A. Dolfus und E. De Montserrat haben allerdings auf ihren Reisen in Guatemala im Jahr 1866 eine ansehnliche Zahl der Vulkane erstiegen und in ihrem grossen Werke eingehend beschrieben; allein es ist nicht ausser Acht zu lassen, dass einige wichtige Glieder der grossen Vulkanreiche von ihnen nicht besucht wurden, andere ihnen überhaupt unbekannt blieben, dass sie die Vulkane im Innern von Südost-Guatemala nur auf Grund fremder Nachrichten kannten und endlich, dass die topographische Grundlage ihrer geologischen Karte sehr mangelhaft ist, was leicht zu unrichtigen Vorstellungen Veranlassung geben kann. Gerade der letztere Umstand ist es, welcher mich bestimmt, meine Beobachtungen über die räumliche Verbreitung der guatemaltekischen Vulkane hiermit zu veröffentlichen, obgleich ich wohl weiss, dass auch diese Beobachtungen noch sehr lückenhaft sind und dass vermuthlich noch eine ganze Anzahl noch nicht bekannter vulkanischer Vorkommnisse in Guatemala vorhanden sind. Auf den verschiedenen Karten des Landes sieht man da und dort Vulkane eingezeichnet, die von Dolfus und Montserrat nicht angegeben werden, und ausserdem bin ich zufällig auf meinen Wanderungen auf etliche vulkanische Vorkommnisse gestossen, so auf Lavaströme bei El Tambor und El Florido, am Wege zwischen Guatemala und Zacapa, und auf einen kleinen Vulkan bei S. Antonio (im Departamento S. Marcos). Einige der in manchen Karten als "Vulkane" bezeichneten Berge haben allerdings nichts mit Vulkanismus zu thun; so sind die sogenannten "Vulkane" von S. Gil (bei St. Thomas), Tipon (bei Palmilla), Ceniza (bei Capucal), Obraje und Ticanlu (bei Jocotan) nichts anderes als kühngestaltete Kalkberge; andere aber dürften doch vulkanischer Natur sein, so nach Rockstroh die auf Paschke's Karte angegebenen Vulkane von Jumay (bei Sta Rosa) und Imay (bei Jalapa).