Original paper

Künstliche Bildung von Eisenglanz und Magnetit in den Eisenrückständen der Anilinfabriken.

Dr Müller, Wilhelm

Kurzfassung

In den Hochöfen des Eisen- und Stahlwerkes "Phoenix" zu Laar bei Ruhrort werden seit einiger Zeit die bei der Anilinfabrikation sich ergebenden Eisenrückstände mit verhüttet. Das Material, an dem die vorliegenden Beobachtungen angestellt wurden, verdanke ich der Freundlichkeit des Herrn C. Reinhardt, Chefchemikers des genannten Werkes, welchem ich auch an dieser Stelle nochmals meinen wärmsten Dank aussprechen möchte. Die Darstellung des Anilins geschieht bekanntlich in der Weise, dass zunächst Benzol (C6 H6) durch Behandeln mit Salpetersäure in Nitrobenzol (C6 H5 No2) übergeführt und darauf letzteres durch nascirenden Wasserstoff zu Anilin (C6 H5 Nh2) reducirt wird. Der zur Reduction erforderliche Wasserstoff wird durch metallisches Eisen und Salzsäure oder auch Essigsäure erzeugt. Nachdem aus dem Gemenge von Anilin und den gebildeten Eisenoxydulsalzen ersteres durch Destillation abgeschieden worden ist, werden die schlammartigen Eisenrückstände behufs thunlichster Entwässerung auf durchlässigen Boden gebracht, von wo sie, nachdem sie eine mehr teigige Consistenz erlangt haben, dem Hüttenwerke zugeführt und hier nochmals im Freien zu Haufen aufgeschüttet werden. Unter dem Einfluss der atmosphärischen Luft findet in den aufgehäuften Massen ein lebhafter Oxydationsprozess statt, sodass die damit verbundene Temperaturerhöhung sich bisweilen bis zum Erglühen der Haufen steigert, wobei die den Eisenrückständen noch reichlich beigemengten organischen Substanzen wesentlich mitwirken.