Original paper

Eine gewöhnliche Art der Erhaltung von Stigmaria als Beweis für die Autochthonie von Carbon-Pflanzen.

Potonié, Henry

Kurzfassung

Die Frage, ob die Pflanzen der Steinkohlen-Formation an demselben Orte gewachsen sind, wo heutigen Tages ihre Reste und Spuren gefunden werden, oder ob sie, bevor sie an die heutigen Fundstellen gelangten, einen mehr oder minder weitgehenden Transport erlitten haben, wird von Zeit zu Zeit immer wieder aufgeworfen und erörtert. So hat neuerdings Herr Carl Ochsenius in dieser Zeitschrift, XLIV, pag. 84 ff. in einem beachtenswerthen Aufsatz speciell wieder "Die Bildung von Kohlenflötzen" besprochen, in welchem er zu dem Schluss kommt, dass die Kohlenflötze ganz überwiegend aus transportirtem Pflanzenmaterial zusammengesetzt werden (allochthone Entstehung), während autochthone Entstehung nur sehr untergeordnet anzunehmen sei. Da von den Couglomerat-, Sandstein- und Schieferthon-Mitteln speciell der Kohlenflötze des Carbons nach Ochsenius dasselbe gilt, so ist jeder auch nur auf Grund des Studiums der Mittel sich bietende Fall, der in der Lage ist, die Frage von einer neuen Seite her zu beleuchten, auch von einem gewissen Werth für die Ansichten über die Entstehung der Kohlenflötze. Ich möchte nun hier betonen, dass nach meinen Beobachtungen im Carbon von Oberschlesien, mit dem ich mich alle Jahre mehrmals seit fast einem Jahrzehnt an Ort und Stelle zu beschäftigen Gelegenheit hatte, sich speciell im Schieferthon ausserordentlich häufig Stigmaria ficoides Brongniart in einer Erhaltungsweise findet, die mir den Schluss zu gebieten scheint, dass das genannte Fossil mitsammt seinen oberirdischen Theilen an derselben Stelle gewachsen ist, wo es heute gefunden wird, dass solcher Schieferthon demnach gewissermaassen "versteinerter Humus" genannt werden kann.