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Die Melanien der brasilianischen Kreide. - Neue (pliocäne) Melanosteiren aus Epirus. - Einige Berichtigungen und Literaturangaben.

Oppenheim, Paul

Kurzfassung

In den letzten Wochen hatte ich Gelegenheit, mich mit der Publication Charles A. White's über die Kreide Brasiliens naher zu beschäftigen, und erregte insbesondere die darin beschriebene kleine Süsswasserfauna meine ganze Aufmerksamkeit. Dieselbe (l. c., p. 231-245, t. 26), der Nachbarschaft von Bahia entnommen, besteht aus Viviparen (Lioplacodes Lacerdae Hartt), Planorben (Planorbis (Gyraulus) Monserratensis Hartt), aus generisch nicht ganz, da das Schloss unbekannt, sicheren Bivalven (Sphaerium ativum White, Anodonta? totium sanctorum Hartt etc.) und insbesondere sehr interessanten Melanien, welche White zu Pleurocera zieht, also den nordamerikanischen Strepomatiden zuzählt. Das Vorkommen von echt nearktischen Organismen, wie es Pleurocera terebriformis Morris sein würde, in der Kreide Südamerikas wäre nun, wenn es sich bestätigen würde, eine thiergeographisch sehr wichtige Frage, da es für einen alten Zusammenbang der beiden in ihrer Fauna so grundverschiedenen, anscheinend erst in ganz junger Vergangenheit durch den Isthmus von Panama verbundenen Continente sprechen würde. Ich glaube aber, auf Grund der von White l. c. gegebenen Beschreibung und vor allem seiner Abbildungen behaupten zu dürfen, dass die Hinzuziehung der betreffenden Schalen zu Pleurocera Raffinesque, wie überhaupt zu den Strepomatiden eine sehr fragliche, sehr wahrscheinlich sogar entschieden irrthümliche ist, und dass die alte Bezeichnung von Morris' Melania terebriformis Morr. wohl sicher vorzuziehen sein dürfte. Schalen mit einem so starken Mündungscallus, sichelförmigen Anwachsstreifen und ganz seichtem Ausgusse an der Basis sind mir unter den Strepomatiden unbekannt; wohl aber sind alle diese Merkmale in ihrer Vereinigung charakteristisch für die von V. Sandberger als Campylostylus zusammengefassten brackischen Melaniaden der europäischen Kreide und die von gewissen echten Melanien der Gegenwart (Melania plumbea Brot und Verwandte) schwer zu trennenden Bayanien des Eocän.