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Der obere Dogger vom Karziger Ufer auf der Insel Wollin.

Deecke, Wilhelm

Kurzfassung

Bald 40 Jahre ist es her, dass Ph. Wessel in einem kleinen Aufsatze, in dem er eine Uebersicht über den pommerschen Jura gab, auch ein Vorkommen anstehenden Doggers bei Karzig an der Südküste von Wollin erwähnte. Merkwürdigerweise ist im Laufe der Jahre dieser Punkt niemals näher untersucht und beschrieben worden. Nur Preussner kam gelegentlich in einigen Notizen darauf zurück, scheint aber die Lagerungsverhältnisse und die Bedeutung dieses Aufschlusses nicht klar erfasst zu haben. Zwischen den Dörfern Karzig und Lebbin steigt längs der Westküste der Insel Wollin das Ufer allmählich an, was augenscheinlich mit dem Auftreten älterer Gesteinsklippen am N-S verlaufenden Steilrande zwischen Misdro und Lebbin zusammenhängt. Die von Kieferwaldungen bestandenen Dünen von Karzig machen zunächst mächtigen Diluvialsanden Platz, und am Strande selbst stellen sich vereinzelt abgerollte Fragmente eines braunen Sphärosiderites ein, die rasch an Zahl und Grösse zunehmen. In 3700 m Entfernung von Karzig knickt bei einem tief eingeschnittenen Thälchen die Küstenlinie nach WSW um, und gleichzeitig tritt einerseits Geschiebemergel unter dem darüber herabgerutschten Sande hervor, andererseits bemerkt man zahlreiche, am Fusse des Gehänges hoch über dem Wogenbereich liegende Blöcke von eisenschüssigem Sandstein und von sandigem Sphärosiderit. Dieselben entstammen zweifellos einem etwas sandigen, dunkel blaugrauen, schwach Glimmer führenden Thone, der in diesem Frühjahr an der Basis der Wand und unter dem Diluvium deutlich, wenn auch nur streckenweise, erschlossen war. Zahllose kleinere Sphärosiderite fanden sich am Strande zusammengeschwemmt und haben ihren Ursprung wahrscheinlich in der vom Haff bedeckten Fortsetzung dieser am Strande anstehenden Schichten, welche bereits Wessel in der vorgelagerten, weit in das Wasser sich erstreckenden Untiefe vermuthete. Die Hauptmasse der Sandsteine und Sphärosiderite führt gut erhaltene Versteinerungen aus dem oberen Dogger (epsilon und Zeta). Wessel bezeichnete damals die Schichten als Oxford; nach dem heutigen Standpunkte müssten wir sie Cornbrash oder Callovien nennen.