Original paper

über die Lagerung des Rothliegenden südlich von Ilmenau, im Thüringer Walde,

Loretz, Hermann

Kurzfassung

Das aus Sedimenten. Tuffen und Eruptivgesteinen zusammengesetzte Gebirge zeigt daselbst sehr unregelmässige Lagerungsverhältnisse. Abgesehen von einer Anzahl leicht erkennbarer Verwerfungen, welche auf kürzere oder längere Erstreckung besonders in der Richtung des Thüringer Waldes. aber auch in anderen, durchsetzen, sind es Aufsattelungen und Einmuldungen, sowie sonstige Aufrichtungen und Verbiegungen, welche sich in der Lagerung der einzelnen Formationsglieder aussprechen. Diese Störungen sind ebenso verbreitet als unbeständig in ihrer Richtung und ihrem Verlauf, von Ort zu Ort wechselnd. Sie lassen sich kaum auf längere Strecken im Einzelnen verfolgen und kaum auf einige wenige Störungsrichtungen beziehen. Gerade hierin unterscheidet sich die Lagerung unseres Rothliegenden von derjenigen, welche in den mesozoischen Systemen beiderseits des Thüringer Waldes Platz gegriffen hat. Es sind wohl besonders zweierlei Umstände, welche jenen Unregelmässigkeiten zu Grunde liegen. Einmal die Bildungsbedingungen jener Formation, bei welchen eine lebhafte vulkanische Thätigkeit, Aufreissen von Spalten, Hebungen und Senkungen, damit verbunden vielleicht auch schon Aufsattelungen, sicher wenigstens oftmalige Veränderung des Ablagerungsbodens und übergreifende Ablagerungsform, Hand in Hand gingen. Sodann spätere geotektonische Vorgänge, welche auf Faltungen bezw. Sattel- und Muldenbildungen, besonders in nordöstlicher und nordwestlicher Richtung hinausliefen, und nicht nur die mesozoischen Schichten, sondern auch das Rothliegende (nebst Zechstein) erfassen mussten. Eine solche geodynamische Kraftwirkung musste aber beim Rothliegenden, wegen der sehr ungleichartigen physikalischen Beschaffenheit, Mächtigkeit und Vertheilung der dasselbe zusammensetzenden Gebirgsglieder, unter denen namentlich die Eruptivgesteinslager in Betracht kommen, grössere Unregelmässigkeiten der, Lagerung als Wirkung hinterlassen, als es in den jüngeren Systemen der Fall war, welche sich jenen Kräften gegenüber nach Material und nach stratigraphischem Aufbau gleichmässiger verhielten.