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Fossile Characeen von Klinge.

Keilhack, Konrad

Kurzfassung

In dem oft beschriebenen Schichtenprofile von Klinge bei Kottbus tritt in allen drei Gruben unter der untersten Torf- und Lebertorfschicht eine kalkreiche Schicht von wechselnder Mächtigkeit, die ich in meiner Mittheilung in der Sitzung vom Mai 1892 als Süsswasserkalk und als eine selbstständige Bildung innerhalb der Thone im unteren Theile der Süsswasserbecken bezeichnet habe. Herr Nehring hat dem mündlich und schriftlich widersprochen und die Kalkbildung als eine ganz untergeordnete Erscheinung, gewissermaassen nur als einen etwas kalkreicheren Thonmergel hingestellt. Dagegen sprechen das Auftreten genau derselben Bildung in allen drei grossen Aufschlüssen im gleichen Niveau, noch mehr aber einige in letzter Zeit von mir ausgeführte Untersuchungen, durch welche die Flora von Klinge zugleich um 2 Gattungen mit wenigstens 3 Arten bereichert wurde. Der Süsswasserkalk der südlichen Grube, der sehr zahlreiche Schnecken führt, enthält 84 pCt., derjenige der westlichen, die nach Nehring die meiste Ausbeute geliefert hat, 40,2 pCt. CaCOs, der neben ganz kalkfreiem Thone auftretende Thonmergel derselben Grube dagegen nur 12 pCt. CaCOs. Der Kalk der letztgenannten Grube lässt auf frischer Bruchfläche weissliche, stengelartige Kaikabscheidungen erkennen, die mich auf den Gedanken brachten, dass hier ein Charen - Kalk vorliegen könne, eine Vermuthung, die durch die genauere Untersuchung vollkommen bestätigt wurde. Die Characeen oder Armleuchtergewächse sind zu den Cryptogamen gehörende Süsswasserpflanzen mit quirlständigen, blattartigen Zweigen, deren Fructificationsorgane aus männlichen Antheridien und weiblichen Sporenknospen bestehen.