Original paper

über die chemische Bindung des sog. Krystallwassers in den Mineralien.

Kosmann

Kurzfassung

Die Unterscheidung von "Constitutions- und Krystallwasser", welche die geltenden Lehransichten hinsichtlich der chemischen Stellung des in den Mineralien enthaltenen und an deren-Zusammensetzung theilnehmenden Wassers aufgestellt haben, wird von mir seit Jahren als eine wissenschaftlich nicht begründete und daher ungerechtfertigte Ansicht bekämpft. Wenn ich hierüber zum Worte verstattet werde, so darf ich mich zunächst gegen die mir angethane Unterstellung wahren, als habe ich über die einschlägigen chemischen Vorgänge eine neue Theorie aufgestellt oder aufstellen wollen; nichts ist weniger richtig, und ich kann nicht einmal auf das Verdienst Anspruch machen, an irgend einer der grundlegenden Arbeiten für meine Ausführungen theilgenommen oder diese Untersuchungen thätig ergänzt zu haben. Mein einziges Verdienst beruht vielleicht darauf, dass ich bemüht gewesen bin, vorhandene wissenschaftliche Thatsachen, deren Bedeutung meiner Ansicht nach z. Th. bisher überschätzt oder vernachlässigt worden sind, in Beziehung und dadurch in einen solchen Zusammenhang zu bringen, dass die daraus zu ziehenden Folgerungen ein angemesseneres Verständiss der chemischen Vorgänge und ihrer Bedingungen in die Wege leiten. Auch hierin bin ich nicht gänzlich Original: denn ich bin verpflichtet darauf hinzuweisen, dass eine Reihe von Forschern und Lehrern vor mir, so zu sagen, die Thürklinke in der Hand gehabt und die Thür geöffnet haben, aber allerdings nicht ganz hindurchgetreten sind. Selbstredend hat die cousequente Verfolgung der unter anderen Gesichtspunkten aufgefassten Thatsachen eine Reihe von Postulaten im Gefolge, die aber durchaus sich auf dem Boden anerkannter Thatsachen halten, deren Entwicklung zu einem System führt, welches in seinem Abstände gegen, früher Gelehrtes als eine neue Theorie angesehen werden mag.