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Ueber die räumliche Anordnung der mexikanischen Vulkane.

Sapper, Carl

Kurzfassung

Im ersten Theil ihrer "Beiträge zur Geologie und Paläontologie der Republik Mexico" (Leipzig 1890) und in einem besonderen Aufsatz "Ueber die tektonischen Verhältnisse der Republik Mexico" haben die Herren Felix und Lenk ihre Ansichten über das vulkanische Spaltensystem Mexico's niedergelegt, Ansichten, welche zu der gebräuchlichen, zuerst von Alexander Von Humboldt ausgesprochenen Auflassung in ziemlich schroffem Widerspruch stehen. Ich gestehe, dass ich mich mit jenen neuen Ideen von Anbeginn an nicht recht befreunden konnte, schon darum nicht, weil unsere topographische Kenntniss jener Gegenden zur Zeit noch viel zu mangelhaft ist, um dergleichen Constructionen einen sicheren Halt zu gewähren. Als ich nun im Februar dieses Jahres Gelegenheit fand, einen Theil der mexicanischen Vulkane aus eigener Anschauung kennen zu lernen, wurde ich in meinen Zweifeln noch bestärkt. Ich habe allerdings nur drei Vulkane (Nevado de Toluca 4650 m, Popocatépetl 5400 m und Pic de Orizaba 5560 m) bestiegen, zu welchem Zwecke mir mein Chef, Don Antonio Del Castillo, Director der geologischen Commission von Mexico, freundlicher Weise Urlaub gegeben hatte; allein die Aussicht, welche ich von diesen Bergen, insbesondere von der letztgenannten gewaltigen Hochwarte aus über die benachbarten vulkanischen Erscheinungen gewonnen habe, hat in mir die Ueberzeugung hervorgerufen, dass Nevado de Toluca, Ajusco, Popocatépetl, Malinche und Pic de Orizaba als Glieder ein und derselben Spalte anzusehen sind, wie dies ja Von Humboldt ausgesprochen hat. Die vulkanischen Erscheinungen müssen meiner Ansicht nach für sich allein betrachtet werden, wenn auch anzunehmen ist, dass die grossen eruptiven Massenergüsse am südlichen Bruchrand des centralen Hochlands von Mexico von ähnlichen Ursachen, vielleicht sogar von derselben (jedoch graduell und zeitlich verschiedenen) Ursache wie die späteren Vulkanausbrüche erzeugt wurden.