Original paper

Ueber zwei neue Fundorte von Gletscherschrammen auf anstehendem Gestein im norddeutschen Glacialgebiete.

Wahnschaffe, Felix

Kurzfassung

Auf meinen geologischen Reisen im Stromgebiete der Oder während des Sommers 1893 ist es mir geglückt, an zwei neuen Punkten innerhalb des norddeutschen Glacialgebietes, und zwar in Posen und Schlesien Gletscherschrammen auf anstehendem Gestein nachzuweisen. Ungefähr 25 km westlich von Inowrazlaw und unmittelbar südlich an der Inowrazlaw-Elsenauer Eisenbahnlinie tritt beim Dorfe Krotoschin, unweit der Stadt Bartschin, sowie bei Hansdorf, westnordwestlich von der Stadt Pakosch, in zwei inselartigen Vorkommen Kalk des Weissen Jura auf, welcher daselbst durch rationellen Steinbruchbetrieb sehr gut aufgeschlossen ist. Der Hansdorfer Bruch ist von dem westnordwestlich gelegenen Krotoschiner Bruch ungefähr 5 km entfernt; beide liegen in einer von Oberem Geschiebemergel gebildeten verhältnissmässig ebenen Hochfläche, in welcher sich die Kerne des älteren Gebirges in keiner Weise an der Oberfläche durch Anschwellungen des Bodens zu erkennen geben; das Gebiet der Umgebung erhebt sich sogar mehrfach um einige Meter über diese Punkte. Nach einer Angabe Runge's vom Jahre 1870 befand sich hier ein kleiner Steinbruch und der damalige Besitzer theilte ihm mit, dass bereits seit zehn Jahren mehrere hundert Schachtruthen dieses Kalksteins dort gewonnen, in einem kleinen Kalkofen gebrannt und zur Herstellung eines guten Mörtels verwendet worden wären. Die Oberfläche des Terrains liegt dort 100 m über Normal-Null und die ganze nähere Umgebung besteht aus gelblichem, Oberem Geschiebemergel, dessen durch Verwitterung entstandene Lehmdecke in der beim Vorwerk Hamilkarowo gelegenen Lehmgrube für die dortige Ziegelei abgebaut wird.